Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Liturgische Farbe: Grün

Warten auf den Herrn und seinen Tag
Unsere Zeit vergeht, aber das Reich Gottes kommt.

Wochenspruch: Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2. Korinther 6,2)

Die Gegenwart macht manchmal Angst. Sie erscheint mühselig, ungerecht, minderwertig. Deshalb sind die Versuche, aus der Gegenwart zu fliehen, so beliebt. Der eine lebt in der Zukunft – und malt sich aus, was besser sein wird. Der andere schweigt in der Vergangenheit – die ihm »golden« vorkommt.
Die Bibel aber sieht die Gegenwart positiv. Sie erwartet das Heil und die Gnade nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt. Deshalb sind alle Fluchtversuche vor der Gegenwart nicht nur unnötig, sondern sogar Zeichen mangelnden Vertrauens.

Reihe I: Lk 17,20-24 (25-30)

(20) Als er [Jesus] aber von den Pharisäern gefragt wurde: »Wann kommt das Reich Gottes?«, antwortete er ihnen und sprach: »Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann; (21) man wird auch nicht sagen: ›Siehe, hier ist es!‹, oder: ›Da ist es!‹ Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.«
(22) Er sprach aber zu den Jüngern: »Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. (23) Und sie werden zu euch sagen: ›Siehe, da!‹, oder: ›Siehe, hier!‹ Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! (24) Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.
[ (25) Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. (26) Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: (27) Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. (28) Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; (29) an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. (30) Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.« ]

Reihe II: Röm 14,7-9  

(7) Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. (8) Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. (9) Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.

Reihe III: Lk 11,14-23

(14) Und er [Jesus] trieb einen bösen Geist aus, der war stumm. Und es geschah, als der Geist ausfuhr, da redete der Stumme. Und die Menge verwunderte sich. (15) Einige aber unter ihnen sprachen: »Er treibt die bösen Geister aus durch Beelzebul, ihren Obersten.« (16) Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.
(17) Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: »Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre. (18) Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebul. (19) Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. (20) Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.
(21) Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden. (22) Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute.
(23) Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.«

Reihe IV: Hiob 14,1-6

(1) Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, (2) geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. (3) Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, dass du mich vor dir ins Gericht ziehst. (4) Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer! (5) Sind seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann: (6) so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut.

Reihe V: Lk 18,1-8  

(1) Er [Jesus] sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten, (2) und sprach:
»Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. (3) Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! (4 )Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, (5) will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage. (6) Da sprach der Herr: ›Hört, was der ungerechte Richter sagt! (7) Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen?‹
(8) Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?«

Reihe VI: 1. Thess 5,1-6 (7-11)  

(1) Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; (2) denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. (3) Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr –, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen. (4) Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. (5) Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. (6) So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.
[ (7) Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. (8) Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. (9) Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, (10) der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. (11) Darum ermahnt euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut. ]

4300