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Kirchenasyl und Flüchtlingsunterstützung
Solidarität in der Stadtkirchengemeinde
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Bilder: St. Weiß, Hanau

Die Stadtkirchengemeinde hat im Jahr 2014 drei eritreischen Flüchtlingen Kirchenasyl gewährt. In Zusammenarbeit mit der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten erreichten wir, dass diese drei jungen Männer ihr Asylverfahren in Deutschland durchführen können und nicht nach Italien abgeschoben werden.

Warum war es für sie so wichtig, nicht nach Italien zu kommen? Hierzu muss man die Geschichte der Flucht kennen. Sie waren in ihrem Heimatland, in dem ein autoritäres Regime herrscht, willkürlich inhaftiert und verfolgt worden. Wie viele ihrer Landsleute flohen sie über den Sudan, Libyen und das Mittelmeer nach Italien. Sie gehören zu den »Lampedusa-Flüchtlingen«, die auf seeuntüchtigen Booten auf der italienischen Insel in Europa angekommen sind. Nach der entwürdigenden Behandlung in Eritrea und den extrem belastenden Erlebnissen der Flucht wurde in Italien auf ihren physischen und psychischen Zustand keine Rücksicht genommen. Da sie keine Hilfe bekamen, schlugen sie sich nach Deutschland durch.

Ihr Schicksal wurde dem Kirchenvorstand durch die Initiative »Lampedusa in Hanau«, die sich Anfang 2014 gegründet hatte, näher gebracht. Der Kirchenvorstand sah die drei als besonders schutzbedürftig an und wollte ihnen aus christlicher Verantwortung heraus helfen. Dies bedeutete, sich einer gerichtlichen Entscheidung zu widersetzen, Menschen in kirchlichen Räumen unterzubringen und sie dort zu versorgen.

Die praktische Durchführung des Kirchenasyls wurde von mehreren Gruppen gewährleistet: Die Adventisten waren mit der Unterbringung befasst. Eine Arbeitsgruppe aus der Stadtkirchengemeinde organisierte die offiziellen Kontakte, Sprachunterricht und Finanzen. Die Initiative »Lampedusa in Hanau« sorgte für die tägliche Betreuung. Befreundete eritreische Flüchtlinge kauften ein und leisteten Gesellschaft.

Wir sind froh, dass wir allen Dreien helfen konnten. Wir sind dankbar für die gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen Unterstützergruppen in Hanau. Ein Dankeschön all denen, die, u. a. im Klingelbeutel der Johanneskirche, in den letzten Monaten für diesen Zweck gespendet haben. Der Kirchenvorstand bedankt sich auch bei den zuständigen Behörden, dass sie die Entscheidung für dieses Kirchenasyl respektiert haben.

Abschlussfest des ersten Kirchenasyls am 25.11.2014Eine Arbeitsgruppe des Kirchenvorstands, die zur Organisation des Kirchenasyls gegründet wurde, setzt sich weiter für Flüchtlinge ein. Sie ist Gründungsmitglied des »Arbeitskreises Asyl Hanau«, der sich seit März regelmäßig trifft. Hier tauschen sich die verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen, die Flüchtlinge unterstützen, intensiv aus.

Als Erstes geht es um den rechtlichen Status und das Aufenthaltsrecht. Wichtig ist dann der erste Spracherwerb, der nötig ist, um sich im Land überhaupt zurechtzufinden. Da Sprachkurse erst für anerkannte Flüchtlinge vom Staat finanziert werden, können in der Wartezeit bis zur Anerkennung Sprachkurse nur durch Ehrenamtliche oder durch mit Spenden finanzierte Arbeit geleistet werden. Wir überlegen, wie wir Flüchtlingen zu Ausbildungs- und Arbeitsplätzen verhelfen. Nicht zuletzt geht es um die Wohnsituation, die in Hanau unterschiedlich ist. Dann gilt es Dinge zu finden, die Flüchtlinge brauchen, sich aber selbst nicht leisten können, wie zum Beispiel Musikinstrumente oder Fahrräder. Andere versuchen, Patenschaften zu organisieren. Dies bedeutet, dass sich deutsche Familien bewusst um einen Flüchtling oder eine Flüchtlingsfamilie kümmern und sie für eine gewisse Zeit unterstützen, z. B. durch Behördengänge, Freizeitgestaltung oder Konversation.

Der Arbeitskreis Asyl Hanau kooperiert mit den städtischen Einrichtungen, z. B. dem Fachbereich Integration oder der Ehrenamtsagentur. Er wird sich auch mit den Herausforderungen beschäftigen, die durch die Einrichtung einer großen Sammelunterkunft in einem Kasernengebäude auf die Flüchtlingsarbeit zukommen.

Viele Gemeindemitglieder haben die Notwendigkeit, Flüchtlinge zu unterstützen, erkannt. Viele wollen sich engagieren und ein Zeichen setzen gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit.

Die im Mittelmeer gestorbenen Flüchtlinge mahnen, uns um diejenigen zu kümmern, die hier in Hanau unsere Nächsten sind. Hierzu sind Ihre Mitarbeit und Ihre Spenden weiterhin willkommen.

Pfarrer Stefan Weiß

Bankverbindung
Kirchenkreisamt Hanau
IBAN: DE62 5065 0023 0000 0503 51
Sparkasse Hanau
BIC: HELADEF1HAN
Stichwort »Kirchenasyl Stadtkirche Hanau«

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