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Geist und Freiheit
europaflagge
Bild: P. Schmidt/pixelio.de

Zwölf goldene Sterne auf blauem Grund – was ist das? Richtig – die Europaflagge! An vielen öffentlichen Gebäuden hängt sie neben der deutschen Flagge. Als in Polen nach den letzten Wahlen nur noch Nationalflaggen zu sehen waren und die Europaflagge verschwand, wurde das in Europa als Affront aufgefasst.

Kennen Sie die Bedeutung der Europaflagge? Sie hat einen biblischen Bezug, nämlich die Offenbarung des Johannes, Kapitel 12, Vers 1. »Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet, der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.« Ein Symbol der Einheit der vielen Völker im Glauben an Gott, ein Symbol der Vollendung der Welt, so, wie Gott sie gemeint hat.

Die Zahl Zwölf selbst ist ein Symbol der Einheit und Vollendung, auch, weil sie das Produkt von drei und vier ist. Die Drei steht für die Dreieinigkeit Gottes, die Vier für die Himmelsrichtungen. Einheit und Vollendung symbolisieren die zwölf Sterne auf blauem Grund der Europaflagge. Sie greifen ein biblisches Motiv auf und gründen die Vision Europas auf christliche Wurzeln.

Die Vision Europas – fast war sie uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Offene Grenzen, Freizügigkeit, Frieden, Sicherheit, Währungsunion – an all das, was vor 70 Jahren noch undenkbar schien, haben wir uns längst gewöhnt. Mit den Auseinandersetzungen über den Umgang mit den Flüchtlingen in Europa steht all das Selbstverständliche wieder auf dem Spiel. Werden wir bald in einem Europa leben, das eine Festung ist, dessen Grenzen geschlossen sind, wo wieder jeder kontrolliert wird, wo es keine Freizügigkeit mehr gibt? Und wie wird es dann um den Frieden und die Sicherheit in Europa bestellt sein?

Manchmal haben wir geschimpft auf die Bürokratie und das Beamtentum in Brüssel und Straßburg, auf manche überflüssigen Gesetze. Aber in den politischen Auseinandersetzungen unserer Tage wird uns bewusst, wie viel auf dem Spiel steht, wenn die Vision des geeinten Europa aufgegeben wird. Und vergessen wir nicht: Europa braucht nicht nur unsere Kritik, sondern auch unser Wissen und Mitdenken, unsere politische Auseinandersetzung und Beteiligung.

Europa braucht unsere Visionen. Die Vision vom Leben in Fülle für alle Menschen, wie es Jesus verheißen hat. Die Vision von der Einheit der Völker, Freiheit und Frieden, gerechtem Handel und zukunftsfähiger Politik. Eine Vision, die über Europa hinaus in die Welt weist. Europa braucht unseren langen Atem, unseren Mut und auch unsere Begeisterung.
Im Mai feiern wir Pfingsten. Das Fest der Begeisterung. Zu Pfingsten, so erzählt die Bibel, kam Gottes Geist über die Menschen. Verzagte wurden mutig, Schüchterne konnten reden und jeder verstand die anderen, auch wenn sie verschiedene Sprachen sprachen.

Von Gottes Geist erfüllt wuchsen ganz unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Völkern zu einer Gemeinschaft zusammen. Der Glaube an Gott, Freiheit und Nächstenliebe waren ihre verbindenden Werte. Welch eine Vision für Europa und für die Welt! Ich hoffe, dass der Geist des Pfingstfestes in diesem Jahr in uns und in unseren Gemeinden diese Vision neu beleben und inspirieren kann.

Claudia Brinkmann-Weiß

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