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Die Kreuzkirche wird 50
1966 – 2016
kreuzkirche-gross
Bilder: Archiv Kreuzkirche, Stadtkirchengemeinde Hanau

50 Jahre alt zu werden, ist für die meisten Menschen wohl ein Einschnitt, der nachdenklich macht. Eine erste Lebensbilanz steht an, auch weil man sich bewusst wird, dass man nun in der zweiten Lebenshalbzeit angekommen ist. Für Kirchen allerdings ist das eigentlich kein Alter. Sie gelten mit 50 immer noch als Jungspund.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist es ein Anlass zu feiern, dass die jüngste Kirche der Stadtkirchengemeinde nun ein halbes Jahrhundert erreicht hat. Im Advent 1966 wurde die Kreuzkirche in der Karl-Marx-Straße im Lamboyviertel eingeweiht. Sie war in Auftrag gegeben worden, weil der alte Gottesdienstraum, der heute Gemeindesaal ist, für die knapp 8.000 Gemeindeglieder einfach zu klein geworden war. Paradiesische Zustände aus heutiger Sicht!

Während der Anfangsjahre der Kirche ging es noch um die Ausstattung. Der Münchner Künstler und Bildhauer Karl Hemmeter (1904 – 1986), von dem auch das Kruzifix in der Berliner Gedächtnis-Kirche stammt, gestaltete das Relief hinter dem Altar und den »Lauscher« an der Kanzel. Für das vorgesehene Relief an der Empore fehlte dann aber das Geld. Neue Glocken wurden in den Turm gebracht und 1968 die Orgel eingeweiht. Die Kirche war zu einem geistlichen Zentrum der Kreuzkirchengemeinde geworden, die jetzt auch einen separaten Gemeindesaal besaß – den man übrigens durch die Öffnung der Trennwand mit der Kirche verbinden kann.

Seither hat die Kirche viel erlebt. Neben Gottesdiensten, Taufen und Trauungen – wofür sie ja gebaut worden war –  fanden zahlreiche Konzerte in ihr statt. So war zum Beispiel 1981 der damals sehr bekannte Ivan Rebroff zu Gast. Die Kirche war aber auch Ort der Diskussion. In den politisch bewegten Jahren um Friedensbewegung und beginnendem grünen Bewusstsein kam so mancher von deren Vorstreitern wie Heinrich Albertz oder Franz Alt, um über die drängenden Fragen der Zeit zu diskutieren.

Immer verstand sich die Kreuzkirchengemeinde auch als Anwalt für die Menschen in ihrem Stadtteil. So hatte sie ja schon bei ihrer Gründung als Gemeinde 1954 begonnen und die aktive Sozialarbeit gehört immer noch zu ihrem Profil. Sie hat sich aber auch an den Diskussionen über die Zukunft des Stadtteils beteiligt, als die Amerikaner abzogen und die Landesgartenschau 2002 nach Hanau kam. Der Kirchenpavillon lag in ihrem Gemeindegebiet und zahlreiche Veranstaltungen fanden auch in der Kreuzkirche statt.

In all den Jahren gab es in ihr ganz verschiedene und oft bunte Gottesdienste. Gerade mit Kindern Gottesdienst zu feiern, gehörte schon in frühen Jahren zum festen Programm – sei es im wöchentlichen Kindergottesdienst, der in der Kirche beginnt und den es immer noch gibt, sei es in Krabbel- und Kleinkindergottesdiensten für die Jüngsten oder in Familiengottesdiensten, in denen unter anderem Häuser und Schiffe gebaut oder Regenbögen an die Wand projiziert wurden.

Seit 2007 gibt es regelmäßig eine moderne Form der Gottesdienste, die »Tankstelle am Abend«,  Gottesdienste »zum Auftanken, Luft holen, Gas geben ...«, weshalb eine Zapfsäule in der Kirche steht. Sie hat übrigens nur eine Liter-, keine Preisangabe, denn den »Sprit« der Kirche, Gottes Wort und seine Liebe, gibt es ohne Bezahlung!

Michael Ebersohn

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