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Mutig und frei
Ein Jubiläum zwischen Bobbycar-Rennen in Kutte und reformatorisch-theologischen Erkenntnissen
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Bilder: pixabay.com; Stadtkirchengemeinde Hanau

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kautz katrinvon den 95 Luther-Veranstaltungen, die sich der Kirchenkreis im Reformationsjubiläum ehrgeizig gesetzt hatte, konnten schon viele interessante Angebote, Begegnungen und auch besondere Gottesdienste gefeiert werden: »Luther aus besonderem Holz geschnitzt«, die wunderbare Luther-Marionette, Luther im Dreiviertel-Takt, eine Exkursion mit Konfirmanden auf die Wartburg, ein ökumenischer Abend mit Liedern der Reformation oder auch »best songs of Luther«. Ganz Unterschiedliches haben wir erlebt und erfahren, es hat uns bewegt und zum Nachdenken gebracht.

Im Juni findet nun der Kinderkirchentag zum Thema »Gottes Kinder: mutig und frei« statt, auf dem auch das Luther-Musical »Mönsch Luther« aufgeführt wird, und es geht mit Luther auf Familienfreizeit am Edersee: »Hier stehen wir. Geht es auch anders?« Die Predigtsommerreihe wird den Spuren der Reformation mit unterschiedlichen Gesichtspunkten folgen, und ein Höhepunkt im Kirchenkreis wird das spektakuläre Festwochenende Ende August auf der Ronneburg sein: »Ein feste Burg« – Luther kulinarisch, Luther kunterbunt, Luther kulturell.

Das Lutherjubiläum wird bunt und vielfältig gefeiert, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für Kunst- und Kulturinteressierte, Musikfreunde,  politisch Motivierte, für Suchende, Fragende, für Menschen, die dem Ereignis der Reformation auf den Grund gehen wollen. Das sind viele Adressaten, und so zeichnet sich ein großer, weiter Bogen an Angeboten und Begegnungsmöglichkeiten auf in den vielen Veranstaltungen in unserem Kirchenkreis, in unserer Landeskirche, in der EKD und auch weltweit unter den Protestanten.

Wird man Luther und seiner Zeit, in der er lebte, in der er wirkte, die ihn prägte und beeinflusste, mit allen auch noch so bunten Veranstaltungen gerecht, oder ist vieles auch im Bereich des Events und des gegenwärtigen Zeitgeistes verankert?

Zwei Professoren aus Göttingen haben einen Fachstreit mit dem Vizepräsidenten des EKD-Kirchenamtes begonnen, worum es im Lutherjubiläum denn ginge, und welche, wenn auch kritische Rolle die Theologie als von der Kirche unabhängige Wissenschaft habe und sich auch bewahren müsse. Sicher, das ist ein Fachstreit, der auszufechten ist, aber die Frage an uns alle auch in den Gemeinden ist doch: Was bleibt nach den Feierlichkeiten, was ist uns wichtig geworden, was hat uns weitergebracht?

Was mir persönlich wichtig ist: Luther hat durch sein Bibelstudium und seine Bibelübersetzung die Erkenntnis der Gnade Gottes gewonnen, die uns Christen im Glauben gegeben ist und die uns dadurch Freiheit schenkt.

Die christliche Freiheit im reformatorischen Verständnis bezieht sich sowohl auf den Einzelnen als auch immer auf den Nächsten. Es ist stets ein Wechselspiel, Freiheit als »Freiheit von« bedeutet eben auch »Freiheit zu« und »Freiheit für«, eben für mein Gegenüber, den Menschen, dem ich begegne, meinen Nächsten. An meinem Umgang mit ihm zeigt sich das christliche Freiheitsverständnis, und dies hat Folgen, dies zieht Handeln nach sich und es schafft Solidarität.

Für das Handeln auch gegen Widerstände braucht man Mut, einen Mut, den Luther damals aufbrachte. Es war kein Heldenmut, sondern Luther war geleitet von seinem immer wieder auch angefochtenen und doch getragenen Glauben. »So wahr mir Gott helfe«, so stand er 1521 vor dem Kaiser in Worms und veränderte mit seinem Verständnis der Bibel die bestehende Kirchenhierarchie.

»Gottes Kinder: Mutig und frei« Wenn wir diese Aussage weitergeben und miteinander teilen können, den Worten aus der Bibel mutig und frei so glauben und so vertrauen können in aller Zerbrechlichkeit und Fragwürdigkeit unserer Welt und ihrer Machtstrukturen, dann bleibt viel von dem, was vor 500 Jahren begann. Allein aus Glauben, allein aus Gnade, allein aus der Schrift. Die Bibel, zugänglich, lesbar und erfahrbar für alle ist die Quelle der Freiheit und des Mutes.

So freuen wir uns auf das Bobbycar-Rennen in Kutten und die weiter anregenden Diskussionen bei den vielen, bunten und fröhlichen Veranstaltungen und Gottesdiensten, die wir noch bei diesem Jubiläum feiern werden.

Ihre

Pfarrerin Katrin Kautz

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