Abschied und Neubeginn
Zum Abschied von Dorothea Best-Trusheim
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Bilder: www.pixabay.com - Stadtirchengemeinde Hanau

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

best trusheim dorotheadieser Artikel macht mir Spaß! Er ist etwas Besonderes, er schlägt noch einmal eine Brücke über den Main und das gleich zweimal. Einmal von der Stadtkirchengemeinde nach Steinheim und von Steinheim nach Großauheim zur Kirche am Limes. Wo immer Sie gerade diese Zeilen lesen, es sind dieselben zu Beginn dreier Gemeindebriefe: dem Gemeindebrief der Stadtkirchengemeinde, den »Impulsen« und den »Kontakten«. Für mich die Gelegenheit, Danke zu sagen: Danke für eine aufregende und bereichernde Zeit in der Stadtkirchengemeinde, Danke für wunderbare und erfüllende Begegnungen, Danke für das Viele, das ich lernen durfte. Danke auch nach Steinheim, wo ich noch bis Ende Januar sein darf, das freut mich und macht mir den Abschied leichter. Danke auch in die Kirche am Limes, nach Großauheim, wo ich herzlich und liebevoll aufgenommen wurde.

Abschied und Neubeginn. Am Ende des Kirchenjahres stellen sich Christen dem Abschied, der Trauer, ja dem Tod. In diesem Jahr noch mit dem besonderen Gedenken an die Pogrome der Nazis vor 80 Jahren und an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Sich dem Leid stellen, es aushalten, das geht mit dem Wissen um das, was kommt:

Advent und Weihnachten. Ein neues Kirchenjahr hat begonnen. Wir bereiten uns vor, werden betriebsam, überlegen Geschenke. Manchmal wird alles zu viel, die Musik, die Einkäufe, die Vorbereitungen. Hetze und Hektik. Da tut es gut, ruhig zu werden, sich hinzusetzen, Pause zu machen. Martin Luther hat einmal gesagt: »Ich habe heute viel zu tun, darum muss ich viel beten.« Jedes Jahr nehme ich es mir von Neuem vor: Jeden Tag ein kleines Adventsstündchen einzulegen, mit meiner Familie, mit meinem Adventskalender, mit dem Adventskranz, mit Texten, die zum Nachdenken anregen.

»Als sie den Stern sahen wurden sie hocherfreut.« (Matthäus 2,10)

Vor der Freude kommt das Sehen! Die drei Weisen aus dem Morgenland hatten sich aufgemacht, weil sie wussten, ein Königssohn ist geboren, ein besonderer Mensch. Aber wohin sollten sie gehen? Welcher Weg war der richtige? Dann sahen sie ihn, den Stern, und sie wussten, wohin sie sich wenden sollten.

Die Freude kann ich mir vorstellen. Welch ein Geschenk in Zeiten, in denen ich nicht weiterweiß, in denen ich nicht weiß, wo es lang gehen soll, mit mir und meinem Leben, mit der Gemeinde, mit der Kirche einen Stern zu haben, der den Weg weist. Manchmal dürfen wir solche Führung im Leben erleben. Wenn wir Gelegenheiten sehen und ergreifen und Dinge sich gut fügen und lösen. Dazu braucht es offene Augen, Mut und Vertrauen. Die Weisen sahen und machten sich auf, sie folgten dem Stern, vertrauten darauf, dass er sie zum Ziel führte.

Der Stern führt sie zur Krippe, zum Kind. Gott wird Mensch, nichts Menschliches ist ihm mehr fremd. Gott stellt sich auf die Seite der Menschen, geht ein in das menschliche Leben, als Kind in einer Krippe, bald auf der Flucht, zieht als Wanderprediger umher. Kein Leben in Ruhm und Glanz und ein Tod wie ein Verbrecher am Kreuz.

Aber jetzt feiern wir erstmal. Feiern das Geschenk Gottes an uns, feiern den Geburtstag Christi.

Bei uns zu Hause kam das Christkind. Das Weihnachtszimmer war abgeschlossen. Und einmal habe ich mutig und aufgeregt durchs Schlüsselloch geschaut und ich war sicher, etwas Weißes, Helles gesehen zu haben. Bevor wir hineingingen in das Zimmer, habe ich mich hinter meiner Mutter versteckt, ich war so aufgeregt. Dann wurde die Tür aufgeschlossen, ich lugte hinter dem Rücken meiner Mutter hervor, der Weihnachtsbaum erstrahlte im Kerzenschein und wir stellten uns vor ihm auf und sangen: »O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit.« Es war wunderbar. Und so handhabe ich es mit meiner Familie bis heute.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest hib de Bach und drib de Bach und kommen Sie gut ins neue Jahr!

Ihre

Pfarrerin Dorothea Best-Trusheim

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