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Schnee und Regenbogen
regenbogen-lamboy
Bild: M. Ebersohn, Hanau

Liebe Leserin, lieber Leser,

ebersohn michaeljetzt sind hoffentlich alle Skifahrer wohlbehalten aus den Alpen zurück. In diesen Tagen, in denen ich dies schreibe, ist ja noch ständig vom Schneechaos in Bayern und Österreich zu lesen und hören. Massen von weißen Flocken  machen nicht nur den Urlaubern zu schaffen, sondern auch den Gastronomen, Rettungskräften – und den Hausdächern.

Nachdem wir 2018 einen ausgesprochen heißen, trockenen und vor allem langen Bilderbuchsommer hatten, scheint nun das Gegenteil einzutreffen: Winterliche Eskapaden mit ungeahnten Schneemassen, Lawinen und von der Außenwelt abgeschnittenen Ferienorten. Manch einer fühlt sich da an den Schnee-Winter 1978/79 erinnert, in dem nicht nur der gesamte Norden Deutschlands im Schnee versank, sondern am Silvestertag auch in Hanau innerhalb weniger Stunden fast 20 cm Schnee fielen. Genau 40 Jahre ist das nun her.

Da liegt es nahe, das extreme Wetter auf den Klimawandel zurückzuführen. Wir wissen heute ja, wie empfindlich unsere Umwelt ist und wie dramatisch sich die Wetterphänomene weltweit verändert haben. Wir hören vom Abschmelzen des arktischen Eises, von immer häufigeren verheerenden Stürmen und immer höheren Überschwemmungen. Und auch jetzt ist es bei den Schneemengen in den Alpen nur eine Frage der Zeit, dass die Flüsse reihenweise über die Ufer treten.

Es gab jedoch schon immer katastrophale Erfahrungen mit dem Wetter, die viele Todesopfer forderten und manchmal auch ganze Lebensräume vernichteten. An der Nordsee erinnert man sich immer noch an die so genannte »Grote Mandrenke«, das »Große Ertrinken« im Januar 1362, das angeblich 100.000 Tote forderte und die sagenhafte Stadt Rungholt komplett vernichtete. Die Inselwelt an der Nordsee, wie wir sie heute kennen, ist damals entstanden. Doch das ist nur ein ziemlich drastisches Beispiel ...

Denn – wie so oft – findet man solche Berichte schon in der Bibel. Die Geschichte von der Sintflut und der Arche Noah (1. Mose  6-9) erzählt ja Ähnliches: Die Welt und was auf ihr lebt wird komplett vernichtet. Hinter dieser Erzählung, die weit älter ist als die Bibel und von ihr aus alten Quellen übernommen wurde, steht historisch ziemlich sicher eine riesige Überschwemmung im Zweistromland, dem heutigen Irak.
Aber das wussten die Mensschen damals nicht, und sie kannten vor allem nicht die Ursachen. Sie konnten sich das nur so erklären, dass die Sintflut eine Strafe Gottes für die Verfehlungen der Menschheit ist, für deren »Bosheit«, wie die Bibel schreibt.

Erstaunlich daran ist jedoch, dass auch damals schon der Mensch als Ursache der Katastrophen betrachtet wurde. Sachlich ist das natürlich falsch, denn die Menschheit hatte damals gar nicht die technischen Fähigkeiten, der Erde ernsthaft zu schaden.

Das allerdings ist heute anders. Erstmals ist der Mensch in der Lage, seine eigene Lebensgrundlage zu vernichten – oder zumindest zu schädigen. Und das tut er auch. Er hat heute aber auch die Möglichkeit, vieles zu verhindern, was früher zu Katastrophen führte, z. B. durch Deiche. Nur das tut er zu wenig, weil man sich auf gemeinsame Maßnahmen nicht einigen kann, da sie gewisse Einschränkungen und Einbußen im Profit bedeuten würden.

Vielleicht liegt darin die »Bosheit« aus der Bibel. Denn gestraft werden wir für dieses unser Verhalten ja schon  – nur eben nicht von Gott, der unser Treiben vermutlich mit großem Bedauern beobachtet.

Die Geschichte von der Sintflut jedoch ging gut aus: Noah und die Seinen wurden gerettet. Als Zeichen dafür sandte Gott einen Bogen, einen Regenbogen, der damit zum Symbol des Neubeginns geworden ist.
So kann ein ganz normaler Regenbogen wie der im Lamboy auf dem Bild unten uns daran erinnern, dass auch die Natur einen Neubeginn für uns bereithält, wenn wir sie denn pflegen und bewahren.

Einen gute und behütete Winterzeit wünscht
Ihr

Pfarrer Michael Ebersohn

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