Zurück zum Leben
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Bilder: pixabay.com; Stadtkirchengemeinde Hanau

Liebe Leserinnen und Leser,

ebersohn michaelwas war nur draus geworden, aus dieser Faszination? Da war ein einfacher Zimmermannssohn aus Nazareth aufgetreten, hatte sich den Armen und Kranken, den Kindern, den Schwachen und den »Sündern«, wie man damals sagte, zugewandt und hatte dem Establishment Kante gegeben. Er hatte mit göttlicher Vollmacht gepredigt, die Menschen in Scharen mitgerissen und ihnen vor Augen geführt, was Gottes Willen ist, wie er, Gott, uns eigentlich haben will. Und dann wurde gerade dieser Hoffnungsträger, diese Lichtgestalt für ein besseres Leben, gekreuzigt wie ein Schwerverbrecher.

Mit dieser großen, großen Enttäuschung mussten sich die Jünger und all  diejenigen, die dem leibhaftigen Jesus damals folgten, auseinandersetzen. Tiefe Mutlosigkeit machte sich breit. Und viele verloren auch ihren Glauben an Gott.

Aber der war ja noch nicht zu Ende mit seiner Geschichte. Am dritten Tag nach der Kreuzigung entdeckten die Frauen ein leeres (!) Grab (Mk 16,1-8). Jesus war verschwunden und ... er kam wieder! Dieser Mensch Jesus kehrte zum Leben zurück, um uns zu zeigen, dass Gottes Macht auch vor dem Tod nicht Halt macht, dass für ihn auch das Sterben keine unüberwindliche Grenze ist, dass es für uns Menschen auch nach dem irdischen Leben noch etwas gibt. 

Das ist gewiss nicht leicht zu verstehen, und das einfach so zu glauben, fällt vielen Menschen schwer – nicht nur in heutiger Zeit. Aber auch in diesem Teil der Geschichte Jesu spiegelt sich unser Leben, jedenfalls zum Teil. Denn auch wir kennen Hoffnungen und Enttäuschungen, wir begegnen Menschen, die uns faszinieren und von denen wir eine Änderung unseres Lebens erhoffen, und sind frustriert, wenn das nicht so klappt wie erwartet. Wir erfahren Liebe, vom Partner, von der Partnerin, aber auch in der Familie, in Freundschaften oder anderen engen Beziehungen. Und wir müssen immer wieder erleben, dass der Tod in unser Leben eingreift, Beziehungen beendet, Lebensmut nimmt, Hoffnungen zerstört. Auch wir erleben immer wieder einen Karfreitag.

Und doch dürfen wir hoffen, dass wir auch den Ostersonntag erleben, dass wir teilhaben können an der Freude der Auferstehung, dass Gott auch mit uns noch etwas vorhat nach dem Sterben. Und das muss nicht nur das eigene Sterben sein. Auch nach dem Tod eines nahen Menschen, der einen in Trauer und Hoffnungslosigkeit versenkt, gibt es immer wieder die Chance auf neues Leben, auf einen Neuanfang, auf eine gute Wendung, die den Verlust zwar nicht ungeschehen machen kann, ihm aber etwas Neues entgegensetzt: die Zuversicht, die Gott uns in der Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus geschenkt hat.

Die Gottesdienste in der Karwoche und an Ostern spiegeln diesen theologischen und emotionalen Bogen wider: vom Jubel über die Ankunft Jesu im traditionellen geistlichen Zentrum Jerusalem am Palmsonntag über das letzte Mahl am Gründonnerstag und den Tod am Karfreitag bis zum neuen Licht der Auferstehung am Ostermorgen. Wir können dabei den Durchgang durch den Tod hindurch zu neuem Leben nachempfinden, in verdichteter Form im Gottesdienst in der Osternacht, der im Dunkeln beginnt und im Hellen endet. Nach dem Apostel Paulus ist dieser Durchgang auch in der Taufe gegenwärtig, in der wir den alten Menschen in uns begraben und in Christus neu werden, mit ihm gemeinsam auferstehen (Röm 6,3-8). Deshalb ist die Osternacht in der frühen Kirche der Tauftermin schlechthin.

So wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Osterzeit und eine gute Erfahrung in unseren österlichen Gottesdiensten!

Ihr

Pfarrer Michael Ebersohn

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