Apr 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 1 2 3 4 5
Klima bewegt
Sonntagsgedanken für den 7. April 2019
greta-thunberg
Bild: commons.wikimedia.org

ebersohn michaelGreta Thunberg hat ihre Goldene Kamera prompt zurückgegeben, die sie vor einer Woche für ihren Einsatz für den Klimaschutz erhalten hatte. Dass die Veranstalter am selben Abend auch einen SUV als Preis verschenkten, war für sie schlicht nicht auszuhalten. Das nenne ich konsequent. Respekt!

Überhaupt ist es wieder einmal erstaunlich, wie viel ein einzelner Mensch bewegen kann, noch dazu mit gerade einmal 16 Jahren. Aus ihrem zunächst ganz persönlichen Engagement für unser Klima ist in ziemlich kurzer Zeit eine Bewegung geworden, die junge Menschen auf die Straßen getrieben hat. Offensichtlich gibt es für sie doch noch etwas anderes als Handy, Spielkonsolen und das persönliche Wohlergehen. Sie haben erkannt, dass das Klima weit wichtiger ist als das heimische, vertraute Umfeld. Und vielen ist das so drängend, dass sie gerade in der Schulzeit, immer freitags, demonstrieren gehen. Denn das macht deutlich, wie dringlich die Frage nach dem Klima ist.

Natürlich hört man viele Stimmen, die Jugendlichen sollten doch in ihrer Freizeit protestieren, weil Schule schwän-zen ja verboten sei. Aber dann würde es kaum jemand merken. So jedoch fällt das Engagement für den Klimaschutz gerade wegen dieser Aufmüpfigkeit auf und ist im Gespräch.

»Eure Rede sei Ja, Ja oder Nein, Nein. Jedes weitere Wort kommt vom Bösen.« Das sagt Jesus in der Bergpredigt (Mt 5,37). Es geht nämlich darum, sich zu entscheiden, Stellung zu beziehen, eine Meinung zu haben – und auch bei ihr zu bleiben. Von den vielen Bedenkenträgern mit ihrem »Vielleicht« hat keiner die Welt verändert. Um etwas zu bewirken, muss man Farbe beken-nen. Und man braucht Mut.

Gerade den jetzt jungen Leuten haben viele solch ein Engagement nicht zugetraut. Die Hoffnung auf Aufbruch, auf Veränderung, auf eine liebevolle und gerechte Gesellschaft, die Jugendliche vor nunmehr 50 Jahren angetrieben hat, schien Geschichte, lange vorbei.

Vielleicht jedoch kommt jetzt ein wenig davon wieder, wenn junge Menschen aufstehen und Ja, Ja oder Nein, Nein sagen und damit die Welt ein Stück weit in Bewegung setzen. Greta Thunberg könnte ein Hoffnungszeichen sein.  

Pfarrer Dr. Michael Ebersohn
Evangelische Stadtkirchengemeinde Hanau

zuerst veröffentlicht im Hanauer Anzeiger, 06.04.2019

5712