»Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ...«
singpaten
Bilder: C. Hein, Hanau; Stadtkirchengemeinde; EKKW

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kautz katrinjeden Mittwoch kommen die Singpaten zusammen in die Tageseinrichtung für Kinder aus dem Bezirk der Johanneskirche, um mit den Kindern zu singen. Es ist ein schönes Ritual, mit dem Lied »Vom Aufgang der Sonne«, das Paul Ernst Ruppel aus den Worten des Psalms 113 im Jahre 1938 vertonte, jede Woche zu beginnen. Das Singpatenprojekt wurde von der Landeskirche vor knapp zehn Jahren angestoßen, um das Singen zu fördern und der Freude am gemeinsamen Singen auch über die Generationen hinweg einen Raum zu bieten.

Singen macht mutig, schlau und glücklich, das hat die Glücksforschung festgestellt, denn beim Singen werden Glücksbotenstoffe ausgeschüttet. Und der Musikwissenschaftler Dr. Karl Adamek nennt das Singen »die Sprache des Fühlens, die wir dringend brauchen, um im seelischen Gleichgewicht zu leben«.

Das Singpatenprojekt wird seit Beginn seines Bestehens durch eine Erzieherin angeleitet und inhaltlich betreut. Sie gibt der Singpatengruppe eine verbindliche Struktur über das Kindergartenjahr. Zusammen finden wöchentlich Vor- und Nachbesprechungen statt, um die Lieder auszusuchen. Mehrheitlich haben sich Ältere aus den Gemeinden gefunden, die große Freude haben, ihren Schatz an Liedgut mit den Kindergartenkindern zu teilen.

Eine ganze Bandbreite an Liedern aus der christlichen Tradition, aber auch weltliche Kinderlieder lernen die Kinder kennen, und zusammen erarbeitet sich die Gruppe die Melodien und die Texte: »Vöglein im hohen Baum«, »Dornröschen war ein schönes Kind«, »Ein Männlein steht im Walde«, »Der Kuckuck und der Esel«.

Das gemeinsame Singen macht den Großen wie den Kleinen riesig Spaß  und es eröffnet eine wunderbare Gemeinschaft der Generationen.

Neulich hörte ich von einem kleinen Jungen, der ohne Deutschkenntnisse in die Einrichtung kam. Noch sehr verschlossen und verschüchtert war er die ersten Wochen in der Tageseinrichtung. Alles war ihm fremd, alles war anders, alles neu war für ihn in dieser Umgebung der Tageseinrichtung. Mit den anderen Kindern aus der Gruppe ging er schließlich zum Singprojekt, und dort schloss sich ihm eine andere Welt der Begegnung auf. Durch die Musik, die Melodie der Lieder, die Bewegung, die beim Singen mit aufgenommen wird, fand er Zugang zu der deutschen Sprache und begann mitzusingen. Das gemeinsame Singen hatte ihn mutig und selbstbewusst gemacht und er wurde Teil der Gruppe.

Singen baut eine Brücke, die auch Kultur- und Sprachunterschiede überwinden lässt. »Gehn wir in Frieden den Weg, den wir gekommen«, bei diesem Lied, bei dem sich alle an den Händen halten,  verabschiedet sich die Gruppe. Es ist ein  wiederkehrendes Schlussritual.

Das Singen ist ein wichtiger und wertvoller Teil des Gemeindeaufbaus, in jedem Gottesdienst und überall dort, wo Christen singen und beten. Das Singen ist ein Zeichen der Verkündigung ganz im Sinne Martin Luthers,  für den das Singen der zentrale Ausdruck des Evangeliums war, der Weitergabe der Liebe Gottes an alle Menschen.

Ihre

Pfarrerin Katrin Kautz

5716