Wer gehört zu uns?
Sonntagsgedanken für den 3. August 2019
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ebersohn michaelWer gehört zu uns? Diese Frage spielt in Zeiten von zunehmendem Populismus und Fremdenfeindlichkeit eine immer größere Rolle. Viele möchten sich auf die eigene Gemeinschaft begrenzen und andere, Fremde, außen vor lassen. Leider.

Die Bibel hat dazu allerdings eine ganz klare Meinung. Sie fordert nicht nur zur gegenseitigen Liebe auf mit dem bekannten Gebot »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« Sie weitet es ausdrücklich auch auf die »Fremdlinge« aus, diejenigen, die mit im Lande wohnen. Wir nennen diese Menschen heutzutage Menschen mit Migrationshintergrund. »Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.« So formuliert es die Bibel (3. Mose 19,33-34).

Der Sinn ist eindeutig: Wer sich in einem fremden Land niederlässt, wer Teil der Gesellschaft wird, dort lebt und arbeitet, gehört zu der Gemeinschaft mit hinzu und genießt dieselben Rechte – hat aber auch dieselben Pflichten. Eine Abgrenzung oder eine Zwei-Klassen-Gesellschaft soll es gerade nicht geben!

Diese Regel ist gut 2500 Jahre alt und immer Teil der Gesetze des Alten Testaments gewesen. Denn auch das Volk Israel hat diese Erfahrung vom Fremdsein gemacht, in Ägypten. Als Teil des jüdischen Erbes ist diese Regel dann auch ins Christentum gekommen - und als selbstverständliche Zuwendung zu den Menschen, die in der Nachbarschaft wohnen, auch wenn sie in einer fremden Kultur geboren wurden.  

Traurig ist aber, dass wir angesichts wachsender Feindschaft und gegenseitiger Abgrenzung immer wieder von Selbstverständlichkeiten reden müssen.


Pfarrer Dr. Michael Ebersohn
Evangelische Stadtkirchengemeinde Hanau

zuerst veröffentlicht im Hanauer Anzeiger, 03.08.2019

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