Gerade jetzt – Dein Kreuz zählt!
kv-wahl
Bild: EKKW

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mit diesem Motto lädt unsere Kirche am 22. September alle Kirchenmitglieder zur Wahl eines neuen Kirchenvorstands ein. Sie haben die Wahl! Gerade jetzt: In einer Zeit, in der viel über Kirchenaustritte und den Rückgang von Kirchensteuern geschrieben wird. In einer Zeit, in der die Kirche sich verändern wird und verändern muss, weil die Gesellschaft sich verändert. Gerade jetzt ist es wichtig, einen Kirchenvorstand zu haben, der sich seiner Verantwortung für die Zukunft bewusst ist.

Besonders erfreulich ist, dass sich gerade in diesen bewegten Zeiten 23 Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl für die Stadtkirchengemeinde stellen, die bereit sind, Zeit, Kraft, Wissen und Engagement für die Gemeinde einzubringen. Zwölf Personen können ausgewählt werden. Denn aus zwölf gewählten Ehrenamtlichen wird, zusammen mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, der neue Kirchenvorstand gebildet. Die gewählten Personen dürfen dann noch bis zu drei weitere Ehrenamtliche zusätzlich berufen.

Der Kirchenvorstand ist sozusagen das Parlament der Gemeinde. Alle Mitglieder des Vorstands haben die gleiche Bedeutung und gleiches Stimmrecht. Jede und jeder hat eine Stimme, wenn ein Beschluss abgestimmt wird, auch die Pfarrerinnen und Pfarrer.

Martin Luther hat mit der Reformation dafür gesorgt, dass die ehrenamtlichen Laien ein großes Gewicht und eine wichtige Stellung in den Kirchengemeinden haben. Pfarrer und Pfarrerinnen leiten nicht alleine die Gemeinde, sondern sind dem Kirchenvorstand verpflichtet. Wollen sie einen bestimmten Beschluss herbeiführen, müssen sie im Kirchenvorstand Überzeugungsarbeit leisten und sich zu den Vor- und Nachteilen ihrer Idee befragen lassen. Auf diese Weise wird deutlich, dass »Gemeinde« immer auch »Gemeinschaft« bedeutet. Gemeinsam machen sich die Mitglieder des Vorstands Gedanken über die Gemeindearbeit, gemeinsam wird entschieden.

Der Apostel Paulus vergleicht die Gemeinde mit einem Körper, dem Leib Jesu Christi. Die verschiedenen Körperteile haben unterschiedliche Gaben und Begabungen. Da gibt es einige, die sind geschickt mit den Händen und bringen ihr handwerkliches Talent ein. Andere sorgen gerne für den Magen und das leibliche Wohl. Und wieder andere finden Spaß daran, sich den Kopf über Bau- und Finanzplänen zu zerbrechen, weil sie hierfür eine besondere Begabung haben. Zusammen bilden alle einzelnen Glieder den einen Körper, die Gemeinde Jesu. Schon Paulus betont besonders, dass dabei der Kopf nicht wichtiger ist als der Fuß oder die Hand. Nein, alle tragen ihr Teil zum Gelingen bei, und alleine könnte keiner etwas bewegen.

Martin Luther meint etwas Ähnliches, wenn er vom »Priestertum aller Gläubigen« spricht. Damit will er sagen, dass jedes Kirchenmitglied eigentlich ein Priester oder ein Pfarrer ist. Das heißt: Jede und jeder Gläubige darf und soll sich selbst Gedanken machen über die Kirche, über die Bibel und das Leben als Christ. Jeder Christ und jede Christin hat einen »direkten Draht« zu Gott, kann zu ihm beten und selbst in der Bibel lesen und braucht dafür keine »Vermittlung« durch einen Pfarrer oder eine Pfarrerin. Freilich haben die durch ihr Theologiestudium viel Zeit gehabt, sich über all diese Fragen Gedanken zu machen, und als Hauptamtliche können sie eben auch im Alltag ihre Arbeitskraft für die Gemeinde einsetzen, während die Ehrenamtlichen dies oft nach einem langen Arbeitstag in ihrer Freizeit tun. Das zeigt, warum Hauptamtliche in den Gemeinden (auch) wichtig sind und verlangt gleichzeitig großen Respekt gegenüber den Ehrenamtlichen, denn die Arbeit und das Engagement der Ehrenamtlichen in unseren Gemeinden ist unverzichtbar und von größter Bedeutung für die Kirche.

In diesem Sinne: »Gerade jetzt – Dein Kreuz zählt!«

Herzlich grüßt Sie
Ihre

Pfarrerin Kerstin Schröder

5828