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Die Weihnachtszeit
Mehr als Christbaum und Geschenke
weihnachtstisch
Bilder: www.pixabay.com

Wahrscheinlich sitzen auch Sie am Heiligen Abend mit Ihren Lieben unter dem Tannenbaum, haben Geschenke ausgepackt und vorher etwas Schönes gegessen. Die Stimmung ist besinnlich mit Kerzenschein und Lebkuchenduft. Vermutlich ist für Sie dieser Abend, der 24. Dezember, Weihnachten. 

Doch das ist eine Besonderheit in unserer deutschen Tradition. Denn eigentlich ist Weihnachten erst am 25. Dezember. Dass wir bei uns den Abend vorher feiern, hat seinen Grund in der antiken orientalischen Tradition, nach der der neue Tag mit der Abenddämmerung beginnt. Im Judentum ist das immer noch so. Mit dem Dunkelwerden beginnt demnach schon der 25. Dezember, also Weihnachten. Die beiden Weihnachtsfeiertage sind dann meistens geprägt von Verwandtenbesuchen und Gänsebraten.

Doch diese zweieinhalb Tage sind eigentlich nur der Höhepunkt eines ganzen Festkreises – ähnlich wie beim Osterfestkreis, der von Fastnacht bis Pfingsten reicht.

Weihnachten als Fest ist erst relativ spät entstanden, als man im 4. Jahrhundert den Geburtstag Jesu Christi auf den 25. Dezember legte. Man wollte den Glauben an Christus nach Möglichkeit an biographischen Daten festmachen. Und ähnlich wie an Ostern wurde das Weihnachtsfest mit einer Vorbereitungszeit (Advent) und einer Festzeit danach versehen.

Dabei war der Advent – mit dem nach kirchlichem Verständnis das neue Jahr beginnt – ursprünglich eine Fastenzeit, ebenso wie die Zeit vor Ostern. Das mag auch der Grund sein, weshalb an Heiligabend oft eher einfach gegessen wird, Würstchen oder Fisch.

Dass wir zwei Weihnachtstage haben, liegt an der großen Bedeutung des Festes und zeigt seine Wichtigkeit, wie auch bei Ostern und Pfingsten. Dabei geht das Fest ursprünglich eine ganze Woche lang (eine Oktav) und endet am Neujahrstag. Allerdings sind die in dieser Zeit liegenden Heiligenfeste in der evangelischen Kirche meist verloren gegangen.

Danach beginnt die eigentliche Weihnachtszeit. Im Zentrum steht der Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) am 6. Januar, der auf verschiedenen biblischen Erzählungen beruht, vor allem auf dem Besuch der Weisen aus dem Morgenland (die in der Bibel weder zu dritt noch Könige sind). Da sie Geschenke bringen, hat sich der Brauch entwickelt, sich an Weihnachten zu beschenken. In manchen Ländern, z. B. in Spanien, ist das der Tag, an dem es Geschenke gibt. In den meisten Ländern werden aber wie bei uns an Weihnachten selbst Geschenke gemacht, zum Teil an Heiligabend, zum Teil auch erst am Morgen des 25. Dezembers. Aber es gibt auch Länder, in denen der Nikolaus an seinem Tag, dem 6. Dezember, die Kinder beschenkt. Dies ist in den Niederlanden so, wo er Sinterklaas heißt. Weihnachten ist dann »nur noch« ein Fest in der Familie.

Wann die Weihnachtszeit endet, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Für die meisten ist das wohl in der zweiten Januarwoche, wenn die Müllabfuhr die Bäume abholt. In der kirchlichen Tradition jedoch reicht die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn (katholisch auch »Mariä Lichtmess«) 40 Tage nach der Geburt. Hintergrund ist eine jüdische Vorschrift, nach der die Mutter eines Jungen nach 40 Tagen eine Opfergabe zur Reinigung zu erbringen hat.

Der gesamte Weihnachtsfestkreis zeigt, wie wichtig die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus ist. Es lohnt sich, das ausführlich zu feiern.     

Michael Ebersohn

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