Ostern – Feier des Lebens
Neubeginn nach dem Untergang
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Bild: Stadtkirchengemeinde Hanau

Das jährliche Osterfest ist ein Fest des Lebens. Nicht nur wegen der Eier, die als Nahrungsspeicher für die werdenden Vogelkinder am Beginn des Lebens stehen. Das Osterfest ist vor allem deshalb ein Fest des Lebens, weil an ihm das Leben gefeiert wird, das nach dem Tod kommt und das den Tod überwunden hat. Denn an Ostern ist Jesus auferstanden, aus dem Tod ins irdische Leben zurückgekehrt. Das jedenfalls sagte der Glaube, der sich an die Berichte der Bibel von Jesu Leben, Wirken und Auferstehen hält. Das ist zwar schwer zu verstehen, weil es dem normalen, abgeklärten Denken unserer Zeit widerspricht, aber man kann es fühlen, wenn man erfährt, dass das Leben auch nach einem Tiefschlag weitergeht, dass es auch nach einer Katastrophe einen Weg zurück in ein sicheres Leben und eine hoffnungsvolle Zukunft geben kann.

Die Zerstörung der Hanauer Altstadt am 19. März 1945 war solch eine Katastrophe, die vielfachen Tod brachte und Zukunftshoffnungen beendete. Und doch war knapp zwei Wochen später, am 1. April 1945, Ostersonntag. Wie hat man ihn damals gefeiert? Hat man Ostereier bemalt und – womöglich in den Trümmern – versteckt? Hat man Ostern überhaupt feiern können, angesichts der Berge von Trümmern und der vielen Toten? Widerspricht das nicht eigentlich der österlichen Botschaft vom neuen Leben?

Ich selbst weiß nicht, wie das damals war. Ich habe auch keine näheren Informationen darüber gehört oder gefunden. Aber vielleicht weiß ja jemand von Ihnen, die Sie diesen Artikel lesen, etwas von Ostern 1945 in Hanau und kann uns diese Informationen zukommen lassen. Danke dafür im Voraus!

Trotz aller Zerstörung gab es aber wohl doch einen kleinen Hoffnungsschimmer: Bereits am 26. März 1945, also nur eine Woche nach der Zerstörung, wurde Hanau von den Amerikanern besetzt – und damit von den Nationalsozialisten befreit. War das nicht der Beginn eines neuen Anfangs? Denn er machte möglich, dass Hanau in Freiheit und Demokratie zu einem neuen Leben finden konnte, das zwar anders ist als das alte, das aber eine neue liebens- und lebenswerte Stadt hervorbrachte.   

Michael Ebersohn

Bild: Die (Alte) Johanneskirche nach der Zerstörung am 19. März 1945

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