Brief der Bischöfin zum Sonntag Lätare
hofmann-beate
Bild: EKKW

Liebe Schwestern und Brüder,

am Sonntag ist Laetare, das »kleine Ostern«. Zu den Lesungen dieses Sonntags gehört ein Abschnitt aus dem 2. Korintherbrief, der genau das beschreibt, was in diesen Tagen der »Corona-Krise« unsere Aufgabe als Seelsorgerinnen und Seelsorger ist:

»Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind,
mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.«
(2. Korinther 1,3f)

Darum möchte ich Ihnen mit diesem Brief den Trost vor Augen führen, der uns in der Botschaft von Jesus Christus geschenkt ist und den Menschen um uns herum in diesen Tagen in neuer Weise brauchen. Neben all der Suche nach neuen Formen digitaler Kommunikation des Evangeliums ist es mir ein Anliegen, dass wir selbst unsere eigenen Kraft- und Trostquellen nicht aus den Augen verlieren und müde und leer werden. Darum  ermuntere ich Sie, inmitten aller Sorge und Hektik zwischendrin die Kunst der Pause zu pflegen, sich unterbrechen zu lassen, Atem zu holen, auf Gottes Wort zu hören und zu beten. Die Fürbitte für andere wie für uns halte ich für eine wichtige Aufgabe der Kirche in dieser Zeit, in der wir mit ungekannter Wucht an die Fragmentarität unseres Lebens und die Fragilität unserer Gesellschaft erinnert werden.

In einem rasanten und sehr beeindruckenden Tempo entstehen in unserer Kirche gerade viele neue Formen von Verkündigung, kirchlichem Leben und Gemeinschaft im Leib Christi ohne körperliche Präsenz. Herzlichen Dank für alle Kreativität und Energie, mit der sie die Herausforderung meistern, vor die wir als Kirche gerade gestellt sind.

Mein besonderer Dank gilt all denen, die sich in ihrem Dienst um besonders vulnerable Gruppe kümmern, die in die direkte Begegnungen mit Kranken und ihren Angehörigen gehen und dabei auch eigene gesundheitliche Risiken eingehen. Wir denken an und beten für Sie und bitten darum, dass Sie sich in Ihrem Dienst so gut wie möglich vor Ansteckung schützen!

Mit großer Sorge denke ich an die Menschen, die jetzt besonders schutzlos sind und unter den Folgen erzwungener Häuslichkeit besonders leiden: Familien in schwierigen sozialen Verhältnissen, Opfer häuslicher Gewalt, wohnungslose Menschen oder Geflüchtete. Bitte helfen Sie mit, dass auch diese Menschen erleben, dass Kirche sich um sie kümmert und für sie da ist.

Ich bin gewiss, dass in all dem, was wir gerade erproben und lernen, auch Spuren der Kirche von Morgen erkennbar werden, die auf neuen Wegen, in ökumenischer und regionaler Zusammenarbeit und im Gespräch miteinander nah bei den Menschen ist und Sorgenetze knüpft.

Auch für unser theologisches Denken, Hören und Reden bringen diese Tage neue Erfahrungen und Herausforderungen. Die Sprache der Psalmen bekommt für mich eine neue Unmittelbarkeit; auch die Vergegenwärtigung des Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesus Christus in der Passionszeit erlebe ich in einer neuen Dimension. Die Frage nach Gottes Handeln in unserem Leben stellt sich in kaum gekannter Schärfe. Dabei halte ich die Rede von göttlicher Prüfung oder Strafe in dieser Situation für unangemessen. Was wir erleben, ist eine Anfechtung, die uns zur Klage, zur Bewährung der Treue und zur Vergewisserung der Gegenwart Gottes auch in Leid und Tod ruft. Wie die Frauen unter dem Kreuz sind wir gerufen, Zeuginnen und Zeugen zu sein, auszuharren, unsere Toten zu bestatten und zusammenzuhalten.

Wir werden auch dieses Jahr Ostern feiern, anders als bisher, aber hörbar, sichtbar, spürbar und kraftvoll, im Angesicht von Krankheit, Schmerz und Tod. Um es mit Paulus zu sagen:

»Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind,
mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen,
so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.
Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil;
werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost,
der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.
Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.«
(2. Korinther 1,3-7)

Bleiben Sie behütet!
Ihre

Dr. Beate Hofmann

6005