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Trinitatis oder: Wie ist Gott?
Über einen kaum bekannten Feiertag
kempele-church
Bild: de.wikipedia.org

Wenn jemand fragen würde: »Was ist das für ein Gott, an den du glaubst?«, was würden Sie sagen? – Das ist sicherlich keine leichte Frage, auf die ich in einem Satz eine schnelle Antwort geben könnte. Wenn ich etwas über Gott sagen will, dann fallen mir Geschichten ein. Sehr unterschiedliche Geschichten sowohl aus der Bibel oder, die mir Menschen erzählt haben, und auch eigene. Bilder, Erfahrungen, Deutungen von etwas, das ich erlebt habe, und wo ich das Gefühl habe: Da bin ich Gott begegnet. Das sagt etwas über Gott aus. Auf jeden Fall würden mir sehr unterschiedliche Dinge einfallen, und es ist schwer, sie alle in einem Satz zusammenzufassen. So ist es auch mit den biblischen Geschichten. Sie treffen ganz unterschiedliche Aussagen über Gott.

Schon vor 2.000 Jahren haben christliche Theologen versucht, eine Antwort in einem Satz zu geben. »Gott ist dreieinig: Er ist Vater, Sohn und Heiliger Geist« – so lautet die Antwort, die wir als Christinnen und Christen kennen. Doch was bedeutet diese Formulierung eigentlich? Drei verschiedene und doch irgendwie eins? – Der Kirchenvater Athanasius hat Gott mit dem Sonnenlicht verglichen. Gott Vater ist wie die Sonne, Gott Sohn wie der helle Sonnenstrahl und Gott Heiliger Geist wie die Spitze des Strahls, der die Menschen mit Wärme berührt. Die Sonne ist eine, aber wir sehen und spüren sie in unterschiedlicher Art und Weise.

Ich finde dieses Bild von Athanasius auch nach 2.000 Jahren noch hilfreich, um zu verstehen, was damit gemeint ist, wenn wir vom dreieinigen Gott sprechen:

Ohne die Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Sie ist der Ursprung des Lebens, so wie Gott Vater, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der uns das Leben und alles Gute zum Leben schenkt.

Gott Sohn, der helle Lichtstrahl – das erinnert mich daran, dass Jesus sagt: »Ich bin das Licht der Welt.«  So, wie der Sonnenstrahl von der Sonne ausgeht, schickt Gott seinen Sohn zu uns Menschen – wie ein Licht für unseren Lebensweg, das auch in dunklen Stunden unser Leben hell macht.

Und der Geist Gottes als Spitze des Strahls, der uns Menschen mit Wärme berührt: Wir spüren Gott durch seinen Heiligen Geist immer dann, wenn wir Nähe und Wärme erfahren. So berührt uns Gott wie die Sonne, die Wärme auf die Erde schickt. Er schenkt uns Trost und Zuversicht, verbindet uns Menschen zu einer Gemeinschaft und schenkt uns neue Lebenskraft.

Menschen erleben Gott in unterschiedlicher Art und Weise; sie haben verschiedene Erfahrungen mit Gott gemacht. Gott begegnet uns in Geschichten, die das Leben schreibt. Nicht in abstrakten Sätzen, sondern in Bildern und Geschichten, die zeigen, wie Gott Menschen anspricht und dass er nicht ohne uns Menschen sein will. Das ist kein ferner Gott, der in den Wolken thront, und auf uns herabschaut. Im Gegenteil: Gott ist in solch lebendiger Beziehung zu uns, dass wir es nicht mit einem Satz beschreiben können. Gott ist verbunden mit uns, mit dieser Welt, mit den Menschen. Und da gibt es so viel zu erzählen, dass eine einzige Geschichte gar nicht ausreichen würde, um zu erklären, wie Gott ist. Und doch zeigt sich in der Vielfalt der Geschichten: Wir reden zwar alle von unterschiedlichen Erfahrungen, aber wir meinen doch alle den gleichen, den einen Gott.

Und genau das feiern wir an Trinitatis, dem Fest der Dreieinigkeit: Wir feiern, dass dieser eine Gott unser Gott ist, der uns auf so unterschiedliche und vielfältige Weise im Leben begegnet. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist – oder: Gott mit uns, Gott für uns, Gott in uns.    

Kerstin Schröder

Bild: Trinitarisches Symbol in der Kirche von Kempele, Finnland

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