Aug 2020
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Von der Kraft, die verbindet und Leben schafft
fisch-steine
Bilder: K. Kautz, Hanau, Stadtkirchengemeinde Hanau

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kautz katrinfünfzig Tage nach Ostern feiern wir Christen Pfingsten. Es ist ein Tag der Gemeinschaft, des Miteinanders im Glauben in aller Verschiedenheit. Pfingsten ist ein fröhliches, hoffnungsvolles Fest der Kirche, das zeitlich mitten in der aufblühenden, grünen, dem Auge so wohltuenden frischen Natur gefeiert wird. Der Geist Gottes verleiht die Kraft für dieses Fest des Lebens.

In diesem Jahr der Corona-Pandemie ist jedoch alles anders. Der Geburtstag der Kirche fällt nicht aus, aber er muss anders gefeiert werden. Der geplante Festgottesdienst mit einem schönen Tauffest kann nicht begangen werden, alle kreativen Pläne mussten abgesagt werden. Seit vielen Wochen sind unsere Kirchen geschlossen. Wenn wir sie nun nach langer Zeit zu Pfingsten wieder öffnen können für Gottesdienste, dann freuen wir uns sehr. Diese Begegnung steht dann jedoch unter klar vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen, die definiert sind und die eingehalten werden müssen. Es geht um die Sicherstellung der vorgeschriebenen Abstände, mit Zollstock und Maßband wurden die Kirchen ausgemessen, um die zugelassene Teilnehmerzahl zu bestimmen.

Es darf nicht gesungen werden, kein Friedensgruß darf an den Nachbarn weitergegeben werden per Handschlag, von Abendmahlsfeiern wird deutlich abgeraten, Verabschiedung an der Kirchentür kann nur mit gebotenem Abstand geschehen. Dies alles dient dem Schutz und der Sorge füreinander, denn der gefährliche Virus ist noch da und wird es auch länger bleiben.

»Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus … und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist …« (Apg 2,2-4)

Der Heilige Geist kommt zu den Menschen, unerwartet, mit Brausen und Winden, mit einer Energie, die verwundert, erstaunt, ansteckt, begeistert, völlig ungeplant, ohne Ablauf und Absprachen.

Dem Verfasser der Apostelgeschichte ist wichtig: Die Geschichte von Jesus Christus ist nicht zu Ende, es geht weiter mit seinen Anhängern, der Geist ergriff sie, er bewegte die Verzagten. Die Enge, die Angst, die Lähmung weicht einer hoffnungsvollen Energie, die zu bisher ungeahnten Möglichkeiten führt im Verstehen und im Miteinander.

Von Kreativität und Einfallsreichtum waren die letzten Wochen in unseren Gemeinden geprägt, die unter den nie dagewesenen Bedingungen der weltweiten Pandemie und ihren Beschränkungen neue Wege fanden.

»Wir sammeln Steine«, sagte die Fünfjährige und erzählt, dass sie auf die Steine einen Fisch malen wird. Diese Steine will sie dann verschenken. Seit ein paar Wochen kann man Steine an Straßenecken, Häuserwänden, Haustüreingängen finden, die Kinder und Erwachsene mit einem Fischzeichen bemalt haben. Der Fisch war das Geheimzeichen der frühen Christen in der Zeit der Verfolgung. Durch dieses Zeichen hatten sie eine Verbindung zueinander. Über alle Beschränkungen hinweg verband sie der Glaube an Jesus Christus, der Geist des Lebens war stärker als alle Beschränkungen, alle Enge und alle Isolation.

In der Coronazeit haben sich viele neue Möglichkeiten der Weitergabe des Evangeliums unerwartet aufgetan. Neben den Fernsehgottesdiensten sind die digitalen Medien eine Quelle der Verkündigung und des Zusammenhaltens der Christen geworden. Eine weltweite Vernetzung von kreativen, innovativen Plattformen wird miteinander erfahren, die auch im weiten, segensreichen Horizont der Ökumene stehen.

Der Geist des Lebens sucht sich Möglichkeiten, die Mauern der Beschränkung und der Kontaktsperren zu überspringen, der Geist Gottes findet neue Zugänge, wo Gewohntes wegfällt, er öffnet Türen, die unsere Herzen und unserer Seele erreichen können und uns guttun. Wir Christen erleben eine geistliche, spirituelle Gemeinschaft trotz aller Beschränkungen. Diese Verbindung zueinander zu spüren, kann Hoffnung und Zuversicht schenken trotz aller Regeln von Hygienemaßnahmen.

»Komm Heiliger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.« (EG+ 34)

Vielleicht finden Sie ja bei sich in der Nachbarschaft einen Stein mit einem gemalten Fisch drauf. Sie können ihn mitnehmen und wissen: Wir sind verbunden in Gottes Namen.

Herzlich
Ihre

Pfarrerin Katrin Kautz

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