»Sie werden lachen – die Bibel«
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Bild: de.wikipedia.org

Liebe Leserin, lieber Leser!

»Sie werden lachen – die Bibel«, so antwortete der Schriftsteller Bertold Brecht, als er gefragt wurde, welches sein Lieblingsbuch sei.

Die Bibel und das Kreuz, das sind die »Markenzeichen« jeder evangelischen Kirche. An zentralem Ort, auf dem Altar, liegt das »Buch der Bücher« aufgeschlagen. Jede und jeder soll es lesen können, das war das Anliegen Martin Luthers. Darum übersetzte er die Bibel ins Deutsche. Ursprünglich ist das Alte Testament in Hebräisch geschrieben, das Neue Testament in Griechisch. Im Mittelalter wurde in den Gottesdiensten eine lateinische Übersetzung verlesen, die allerdings nur die Gelehrten verstanden. Martin Luther jedoch ging es darum, dass alle Menschen die Bibel verstehen, sie sollte in einem verständlichen Deutsch geschrieben sein. Darum rät er: »… man muss die Mutter im Haus, die Kinder auf der Gasse, den Mann auf dem Markt darum fragen und … sehen, wie sie reden und danach übersetzen, so verstehen sie es denn und merken, dass man deutsch mit ihnen redet.« Dieses »Dolmetschen«, wie Luther es nannte, also nach verständlichen Worten suchen, dauerte vor allem für das Hebräische lange. Drei bis vier Wochen suchten Martin Luther und seine Mitarbeiter manchmal nach einem einzigen geeigneten deutschen Wort. Während er das Neue Testament in nur elf Wochen fertigstellte, brauchte er zusammen mit anderen Gelehrten für das Alte Testament zwölf
Jahre, musste er doch die Hebräische Sprache erst erlernen.

Warum die ganze Mühe?

Der christliche Glaube muss sich in seinen Überzeugungen immer wieder anhand der Bibel überprüfen lassen. Nicht kirchliche Traditionen sind entscheidend, sondern die biblischen Schriften. So kann jeder Mensch, der die Bibel liest, einen unmittelbaren Zugang zum christlichen Glauben erhalten.

Die Menschen zur Zeit Martin Luthers lebten in ständiger Angst – vor Gefahren, Krankheit und Tod, vor einem strafenden Gott. So auch Martin Luther selbst. Bis er eines Tages in der Bibel die Botschaft entdeckte, dass Gott kein unbarmherziger Richter ist, sondern ein liebender Vater, der menschliche Schuld vergibt. Wenn wir uns Gott anvertrauen, brauchen wir keine Angst zu haben, so steht es in der Bibel. Dies war für Martin Luther eine der wichtigsten Erkenntnisse, aus der alles andere folgte. So hat das Lesen der Bibel gewissermaßen die Reformation ausgelöst.

Pünktlich zum Reformationstag am 31. Oktober 2016 erscheint eine neue, überarbeitete Lutherbibel, die schon das Reformationsjubiläum 2017 »einläutet «. Mehr als 50 Theologen und Theologinnen haben seit 2010 an dieser Bibel gearbeitet. Es soll nicht einfach eine Modernisierung sein, sondern eine noch genauere Wiedergabe des Textes, so, wie es dem heutigen Forschungsstand entspricht. Die Poesie und der Sprachklang Luthers sollen dabei erhalten bleiben, gleichzeitig sollen die Texte für uns heute gut verständlich sein. Ein hoher Anspruch! Den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat der »neue« Text überzeugt.

Die Stadtkirchengemeinde freut sich darauf, dass sie am Reformationstag in einem festlichen Gottesdienst in der Marienkirche für jede Kirche ein Exemplar der neuen Bibel überreicht bekommt und sie dann in ihren Gottesdiensten verwenden kann.

Herzlich grüßt Sie

Pfarrerin Kerstin Schröder

Bild: Lutherstube in der Wartburg in Eisenach, in der Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzt haben soll.

17.09.2016 - 14.02 Uhr
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