Wenn die Masken fallen
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Bild: H. Braxmeier/pixabay.com

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in den letzten Wochen sind sie wieder unterwegs – die verkleideten und lachenden Gestalten. Zum Teil versteckt hinter Masken, anonym und unerkannt. Und selbst die, die keine Fastnachter sind, müssen doch zugeben: Dieses Verkleiden hat seinen Reiz! So zu tun, als sei man ein anderer oder eine andere, ist faszinierend.

Sich hinter einer Maske zu verstecken und eine andere – natürlich viel bessere! – Rolle zu spielen als im Alltag, das reizt nicht nur Kinder. Einmal Dinge tun zu können, die wir sonst nie machen würden – die Anonymität macht das möglich, denn es erkennt uns ja niemand.  So verwandelt sich die Schüchterne in einen verführerischen Vamp, der Zaghafte macht einen auf Kraftmeier, der Zurückhaltende kann endlich mal Küsschen verteilen und das Mauerblümchen traut sich, Schlipse abzuschneiden. In jedem von uns schlummert dieser Wunsch: Ich möchte so gern mal jemand anderes sein, mutiger und schöner, frecher und fröhlicher, stärker und beeindruckender, als ich sonst bin.

Aber Hand auf's Herz: Tun wir das nicht ständig? Auch wenn keine Fastnacht ist? Dass wir Rollen spielen, um andere zu beeindrucken? Dass wir uns hinter Masken verstecken, um unsere wahren Gefühle nicht zu zeigen?  Manches Lächeln ist aufgesetzt wie eine Maske, manche Freundlichkeit nur geschminkt.  Uns so geben, wie wir wirklich sind – wollen wir das?

»Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.« So bekennt der Beter des 139. Psalms, und ganz glücklich ist er darüber eigentlich nicht! Er ist eher erschrocken, dass Gott hinter seine Maske schaut und sagt: »Ich kenne dich doch. Mach mir nichts vor!«

Durch Jesus wissen wir: Es ist nicht beängstigend, dass Gott uns so gut kennt, sondern wohltuend. Es ist gut, dass Gott uns kennt. Denn, obwohl er uns so gut kennt, auch unsere Traurigkeiten und unsere Nöte, auch unsere Fehler und unser Versagen, hält er uns die Treue und schenkt uns seine Liebe.

Das heißt für uns: Wenn wir einmal genug haben von dem Verstecken und Verstellen, dann sind wir bei dem Mann aus Nazareth genau richtig. Wenn wir einmal jemanden brauchen, der uns zuhört, der uns trägt, der uns Schuld vergibt und Mut macht, weiter zu leben und weiter zu lieben, dann sollten wir Jesus Christus einen Blick hinter unsere Maske gewähren. Denn sein Blick hinter unsere Maske ist ein liebevoller. Weder hämisch noch verletzend. Jesus schaut uns an, um uns zu ermutigen, ehrlich zu sein. Denn Ehrlichkeit ist der erste Schritt zur Umkehr. Und Umkehr ist der erste Schritt in ein freieres Leben.

Nach der fröhlichen Zeit der Masken wünsche ich uns allen den Mut, die Masken fallen zu lassen.

Ihr

Pfarrer Stefan Axmann

19.01.2017 - 22.02 Uhr
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