Osterlachen
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Bilder: pixabay.com / Stadtkirchengemeinde Hanau / commons.wikimedia.org

Liebe Leserin, lieber Leser,

in wenigen Tagen feiern wir das älteste der christlichen Feste – es ist das Osterfest. Traditionell wird es am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert.

Das ist kein Zufall: An Ostern erwacht die Natur nach dem Winter wieder zum Leben. Aus kahlen Zweigen, aus dem Erdboden, sogar aus Mauerritzen – überall sucht sich das Leben seinen Weg; überall springen Knospen und Blüten hervor. Wir Menschen kommen nach dem Winter wieder aus den Häusern und freuen uns über die erste Frühlingssonne.

So ist der Frühling ein Symbol für die frohe Botschaft, dass Jesus den Tod überwunden hat und dass auch für uns mit dem Tod nicht alles aus ist. Als Christinnen und Christen glauben wir, dass Gott uns neues Leben schenkt – auch über den Tod hinaus.

Für die Frauen, die nach dem biblischen Bericht als erste hörten, dass Jesus auferstanden ist, war diese Nachricht allerdings zunächst kein Anlass zur Freude, sondern versetzte ihnen einen gewaltigen Schrecken: Wie sollte ein Mensch begreifen, dass der gekreuzigte Jesus lebte? Dass er auferstanden war?

Doch wir wissen, dass die Jünger und Freunde Jesu nach dem ersten Schrecken an den auferstandenen Jesus glaubten. Aus einem Häuflein Verängstigter und Verzweifelter wurden auf einmal Menschen, die voller Freude bekannten, dass Jesus lebt und dass er stärker ist als der Tod. Aus trauernden, verstörten Menschen wurden welche, die keine Angst mehr hatten und anderen von ihrem Glauben erzählen konnten.

Am Karfreitag, da war ihnen das Lachen gründlich vergangen. Am Ostermorgen kehrte die Freude zurück.

Im Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert hinein gehörte es darum zum Gottesdienst am Ostersonntag dazu, die Gemeinde einmal kräftig zum Lachen zu bringen – durch lustige Geschichten oder eine Art Büttenrede. »Osterlachen« wurde dieser Brauch genannt und war Ausdruck der Freude darüber, dass bei Gott das Leben stärker ist als der Tod. Jesus sagt im Lukasevangelium: »Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.«
Selbst bei Menschen, die überhaupt keinen Grund zum Lachen hatten, spielte das Osterlachen eine Rolle: Es hat ihnen geholfen, dem Ernst des Todes etwas entgegenzusetzen. Am Ostersonntag 1944 im KZ Dachau predigte der junge holländische Pfarrer Willem-Eicke den Hertog den heimlich zusammengekommenen Christen: »Das Lachen Gottes in dem auferstandenen, lebendigen Herrn leuchtet über uns – und Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen und der Tod wird nicht mehr sein.«

Ich wünsche Ihnen von Herzen gesegnete Ostertage!
Ihre

Pfarrerin Kerstin Schröder

 

Bild links: Die Seligen lachen – Tympanon des Fürstenportals am Bamberger Dom

16.03.2017 - 15.20 Uhr
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