Wach, um das Leben neu zu sehen
Glocken rufen zum häuslichen Gebet
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Bilder: www.flickr.com – Stadtkirchengemeinde Hanau

mause heike 04Auch wenn keine Andachten und Gottesdienste stattfinden, die Glocken in unserer Stadtkirchengemeinde läuten. Sie fordern auf, sie gedenken und halten wach.

»Wachet auf, ruft uns die Stimme« so lautet ein altes Kirchenlied von Philipp Nicolai (EG 147). Die ersten Töne dieses Kirchenliedes tragen die Glockentöne an der Marienkirche in der Altstadt weiter.

Die Glocken  haben Gewicht in der Stadt, sie geben Rhythmen des Tages an, sie weisen auf den Ruhetag, wenn der Sonntag eingeläutet wird. Sie läuten zu Gottesdienstzeiten und laden zum gemeinsamen Gebet ein.   
Nach einer Empfehlung der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck und dem Bistum Fulda sollen in diesen außergewöhnlichen Zeiten überall die Kirchenglocken täglich um 12.00 Uhr läuten. »Halten wir dann einen Moment inne. Denken wir an die Menschen, die jetzt unsere Solidarität besonders brauchen. Beten wir für sie!« – schreiben Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der EKKW, und Dr. Michael Gerber, Bischof von Fulda in gelebter Ökumene.

Beten wir für Menschen, die Hilfe brauchen und danken denen, die unermüdlich helfen. Damit ist das Glockengeläut ein besonderes  Zeichen der gelebten Verbundenheit in unserer Stadt.

Über die Ostertage werden Sie vielleicht die Glocken besonders wahrnehmen. Am Karfreitag um 15.00 Uhr erinnern sie an die Todesstunde Jesu. Danach schweigen sie und weisen auf die Grablegung. Der Karsamstag ist ein stiller Tag, bis sie an Ostern wieder im hellen und vollen Klang zu hören sind.

»Wachet auf, ruft uns die Stimme! – Ostern das Fest der Auferstehung. Das Fest der Hoffnung auf neues Leben.

Heike Mause


WACH, UM DAS LEBEN NEU ZU SEHEN

wie gut
dass du nicht schweigst
und uns erinnerst Tag für Tag

du unterbrichst das Einerlei
lässt lauschen
horchen innehalten

du hüllst uns ein
mit deinem Klange
und sprichst
von Dingen die
nicht machbar sind
du sagst zu mir:

»es gibt viel mehr
als dich und mich
als unseren Alltag
Arbeit, Sorgen,
Mühe, Last

es gibt die Zeit
die einfach dir gehört
weil du ein Mensch
jenseits aller Leistung
geborgen, aufgehoben,
kostbar bist

nimm dir die Freiheit
nur zu atmen
und zu sein
zu spüren
wen du liebst
und was dir wertvoll ist«

dann wird der Augenblick
zum Fest und ich
bin plötzlich mittendrin
beschenkt
und wach genug
das Leben neu zu sehen.

Almut Haneberg

31.03.2020 - 12.51 Uhr
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