Hosianna! Gelobt sei, der da kommt ...
Gedanken zu Palmsonntag, 5. April 2020
palmsonntag-in-osttimor
Bild: upload.wikimedia.org

ebersohn michaelMit diesem Jubelruf des Volkes beginnt der letzte Akt der Geschichte Jesu. Auf einem Eselfüllen reitet er mit allem Pomp und Gloria nach Jerusalem hinein. Das Volk jubelt ihm zu, schwenkt Palmzweige, bettet mit ihnen seinen Weg und ruft im Chor: »Hosianna!« »Hilf doch!« bedeutet dieses hebräische Wort. Das Volk hofft auf Jesus, den es als den neuen König und Heilsbringer begrüßt.

Christinnen und Christen auf der ganzen Welt stellen diese Szenerie am Palmsonntag nach – so wie die Menschen in Osttimor auf dem Foto. Sie möchten ein wenig spüren von diesem überschwänglichen Jubel, der die Menschen damals ergriff. Und auch in der Stadtkirchengemeinde haben wir den Palmsonntag schon mit Kindern nachgespielt – so ähnlich wie bei einem Krippenspiel an Weihnachten. Ein großes Spektakel und eine große Freude war das.

Doch der Jubel verstummt bald. Er bleibt dem Volk sozusagen im Hals stecken. Denn der König, den sie erwarteten, zeigt sich nicht in der Weise mächtig, wie man das erhofft und wie man sich das vorgestellt hatte.
Zunächst musste Jesus mit seinen Gegnern kämpfen, den Führenden der damaligen Gesellschaft. In einer Reihe von Streitgesprächen zeigt er sich dabei noch als der argumentativ und theologisch Überlegene. Aber dann nimmt er seine Jünger beiseite, führt sie an einen abgeschiedenen Ort und eröffnet ihnen, was geschehen wird, wenn das Ende aller Tage kommt – das bald bevorzustehen schien.

Danach wird die Geschichte immer trauriger. Jesus feiert Abschied von seinen Jüngern, mit einem feierlichen Mahl (das wir am Gründonnerstag nacherleben). Dann wird er verhaftet, gequält und schließlich am Kreuz hingerichtet. Der Jubel ist verstummt, der Hoffnungsträger tot, seine Anhänger deprimiert und ohne Zuversicht.

Dass sich der König drei Tage später dann doch als mächtig erweist, das konnte niemand ahnen. Ja, seine Macht war sogar noch viel größer, als man sich in den kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Er hat sogar den Tod besiegt!

Wir Menschen heute wissen das natürlich. Wir haben ja schon oft Ostern gefeiert. Aber weil wir das wissen, können wir auch den Palmsonntag als Jubeltag begehen. Er ist der Anfang eines Endes, das, nachdem alles vorbei schien, noch eine übergroße, göttliche Überraschung  bereithält. Halleluja!

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihr

Pfarrer Michael Ebersohn

02.04.2020 - 09.52 Uhr
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