Bleibe bei uns, Herr
Gedanken zu Ostermontag, 13. April 2020
emmaus-juenger
Bild: paintingvalley.com

Da sind zwei unterwegs, raus aus der Stadt, von Jerusalem nach Emmaus. Aber das ist kein fröhlicher Osterspaziergang bei Sonnenschein, den die beiden da vor sich haben. Ihr Weg ist eher wie eine Flucht. Sie wollen einfach nur weg.

Manchmal möchten wir das auch. Einfach nur weg. Uns ablenken, wenn die Gedanken um schwere Fragen kreisen. Momentan können wir das nicht. Wir sind gezwungen, zu Hause zu bleiben und uns dem zu stellen, was uns beschäftigt.

Die beiden Menschen auf dem Weg laufen weg von der Verurteilung und der Kreuzigung Jesu, den sie für den Retter Gottes gehalten hatten. Weg von der verstörenden Botschaft einiger Frauen, die von einem leeren Grab berichtet hatten. Glauben können sie das alles nicht, nicht mehr. Wer kann es ihnen verdenken?

Und es geschah … So erzählt es die Geschichte der Emmausjünger. Heimlich und zunächst unbemerkt mischt sich ein Dritter zwischen die beiden hoffnungslosen Wanderer. Es ist Jesus selbst, der Auferstandene, der sich zu ihnen gesellt hat. Aber vor lauter Trauer erkennen die beiden den nicht, der da mit ihnen geht.

Jesus hört sich all das an, was sie erzählen, und er fragt nach. Das ist der erste Schritt, damit sie wieder klar sehen können, wenn sie sagen können, was sie bedrückt. Und dann bietet Jesus ihnen eine neue Perspektive an, indem er ihnen zeigt, wie man all das, was in Jerusalem geschehen ist, auch sehen kann, wie man es anders sehen kann. Seine Fragen führen die trüben Gedanken der Emmausjünger in eine andere Richtung. Dadurch ist noch nicht gleich alles wieder gut. Aber seine Nähe, sein Zuhören und seine Anteilnahme geben ihnen neue Hoffnung. Es ist gut, einen Begleiter zu haben, der einem sagt, was man sich selber nicht sagen kann, der eine ganz andere Perspektive einbringt, der für einen hofft und glaubt und betet, wo man selber nicht hoffen und glauben kann.

Jesus, der da mit den beiden Emmausjüngern unterwegs ist, das ist der Auferstandene, der Lebendige. Er ist nun bei allen, die einen solch schweren Weg im Leben gehen müssen, auch bei uns. Unsichtbar, aber doch gegenwärtig. Unerkannt und unbemerkt ist er schon an deiner Seite, auch wenn du nichts davon siehst.

»Herr, bleibe bei uns«. Die beiden Jünger spüren, dass es etwas Besonderes mit diesem Wanderer auf sich haben muss, und wollen ihn daher nicht loslassen. Es hat gutgetan, mit ihm reden zu können, über das, was sie schmerzt. Allein seine Nähe war tröstlich. Als sie miteinander das Brot brechen, da erkennen sie ihn. Wie beim letzten Abendmahl teilt er das Brot. – Sie wissen auf einmal, wer es ist, der schon die ganze Zeit mit ihnen unterwegs war.

Bleibe bei uns, Herr,
denn es will Abend werden,
und der Tag hat sich geneigt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade und Güte,
mit deinem heiligen Wort und Sakrament,
mit deinem Trost und Segen!
Bleibe bei uns
und bei allen deinen Gläubigen
in Zeit und Ewigkeit!

(nach Georg Christian Dieffenbach)

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit!
Ihre

Pfarrerin Kerstin Schröder

02.04.2020 - 07.00 Uhr
6023