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»Wir feiern trotzdem!«
Konfirmation in Corona-Zeiten am 31. Oktober 2020
konfirmationssegen
Bild: Chr. Schauderna/medio.tv

Die Konfirmation gehört in evangelischen Haushalten zu den beliebtesten Familienfesten. Verwandte werden eingeladen, die Paten, das Fest und das gemeinsame Essen werden organisiert. Eigentlich sollte unsere Konfirmation Anfang Mai stattfinden, eigentlich ... – doch dieses Jahr kam die Coronakrise dazwischen.

»Gott sei Dank haben wir das Kleid für die Konfirmation noch nicht gekauft … unsere Tochter wächst ja monatlich«, sagte mir eine Mutter vor Kurzem angesichts der verschobenen Konfirmation. Auch bei mir und meiner Kollegin Kautz begann mit Corona eine hektische Betriebsamkeit. Denn mit Beginn der Kontaktsperre ließ sich nicht nur der Konfirmationstermin selbst nicht aufrechterhalten, sondern es brach auch der Unterricht ab.

Besonders gedankt sei in dieser schwierigen Situation unseren Konfi-Helfern und dem Jugendausschuss, die eine Video-Online-Plattform etablierten, auf der sie sich mehrmals mit den Konfirmanden trafen. Zu Pfingsten schrieb Pfarrerin Kautz den Konfis einen Brief mit einem kleinen Symbolgeschenk als Beilage. Den persönlichen Kontakt kann das alles nicht ersetzen, aber wir versuchen so gut es in der Situation geht, verbunden zu bleiben.

Anfang August, dem Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, hat sich die Situation etwas geklärt. Gottesdienste dürfen zwar wieder abgehalten werden, aber nur unter strengen Schutzbestimmungen: Abstand, Mundschutz, kein Singen und kein Berühren. Nur noch eine begrenzte Zahl von Besuchern darf in die Kirchen, die Unbeschwertheit und das Gemeinschaftsgefühl leiden. Die Maßnahmen mögen sich kompliziert und formalistisch anhören, aber gerade die bekannt gewordenen Corona-Ausbrüche nach Gottesdiensten, in denen die Hygienemaßnahmen nicht eingehalten wurden, zeigen, dass uns hier eine besondere Verantwortung obliegt.

Fast alle Gemeinden haben die Konfirmationen inzwischen, einer Empfehlung unserer Landeskirche folgend, auf den Herbst verschoben. Wir feiern am Reformationstag, dem 31. Oktober. Es ist schwer, immer auf dem Laufenden zu bleiben, was die aktuelle Rechtslage betrifft. Deshalb haben wir uns mit der Landeskirche abgestimmt und befinden uns im regelhaftem Kontakt mit den Beauftragten der Landeskirche für die Konfirmandenarbeit.

Familien dürfen – Stand jetzt – am 31. Oktober zusammen sitzen und »Familieninseln« im Kirchraum bilden. Dennoch wird die Feier ein Kraftakt: Statt einem Gottesdienst feiern wir drei im Abstand von jeweils zwei Stunden in zwei unserer Kirchen. Jeder Konfirmand darf höchstens 20 Angehörige mitbringen. Die einzelnen Feiern sind auf 45 bis 60 Minuten verkürzt. Die Gestaltung orientiert sich an den Hygienebestimmungen: Es darf nicht gesungen werden, dafür musiziert eine verkleinerte Besetzung von CrissCross bzw. ein Organist. Ein Abendmahl findet nicht statt. Die Konfirmanden werden von uns auf Abstand gesegnet.

Wäre es unter diesen Umständen nicht besser gewesen, die Konfirmation ins nächste Frühjahr zu verlegen? Ich persönlich bin mir nicht sicher, ob sich die Situation bis dann gebessert haben wird, und eine solche Entscheidung würde zusätzliche Fragen aufwerfen: Was wäre mit dem nächsten Jahrgang und seiner Konfirmation? Ich kann mich mit einer Lösung, dass junge Menschen, die fast ein Jahr gemeinsam Konfi hatten, getrennt in Monaten Abstand konfirmiert werden, einfach nicht anfreunden.

Es gibt keine einfachen Antworten! Viele Fragen müssen zum jetzigen Zeitpunkt noch offen bleiben: Ob die Konfis ihre jugendlichen Gesichter bei der Feier hinter Masken verstecken müssen; ob sie in der Auswahl des Gesichtsschutzes ihre individuelle Note setzen werden; wie wohl ein Gruppenfoto gemacht werden wird? Ohnehin wissen alle, dass auch der neue Konfirmationstermin abhängig von der aktuellen Situation im Herbst ist. Was passiert bei einer zweiten Welle? Garantiert ist nichts. Aber Hoffnung und eine Perspektive gibt es. Und das ist wohl das Wichtigste in Corona-Zeiten.

Stefan Axmann

Bild: Konfirmationssegen (Symbolbild)

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