.. denn sie hatten keinen Platz in der Herberge
Weihnachten 2020
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Bild: pixelio.de

Weihnachten ist anders in diesem Jahr. Wie ja auch unser ganzes Leben seit März und mit Corona ein anderes geworden ist. Wir können Weihnachten nicht so feiern, wie wir es gewohnt sind, jedenfalls nicht in den Kirchen. Denn durch die Abstandsregeln dürfen viel zu wenige Menschen hinein. Und jemanden wieder nach Hause zu schicken, ist eigentlich gerade an Weihnachten undenkbar. Da ist Kreativität gefordert, und so feiern wir die meisten unserer Weihnachtsgottesdienste in der Hoffnung auf trockenes Wetter draußen, vor den Kirchen. Das wird nicht nur in Hanau so sein, sondern im Grunde überall. Wir sind gespannt, wie das werden wird.

Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Virus viele Ideen freisetzt und dass die Tatsache, auf Gewohntes verzichten zu müssen, auch eine Chance sein kann. Überall sind engagierte Menschen dabei, möglichst schöne und besinnliche Weihnachten zu gestalten, auch in Hanau. Da wird vieles ausprobiert, und wir können noch nicht sagen, wie genau die Gottesdienste ablaufen werden. Denn wir müssen damit rechnen, dass uns die Corona-Entwicklung noch einen Strich durch die Rechnung macht.

Und doch: Mir ist gleich die Heilige Familie eingefallen, die auf der Suche nach einem Ort für die Geburt des Kindes auch improvisieren musste. Wahrscheinlich hatten auch Maria und Josef Nöte, ob das überhaupt klappen kann. Und dann gab es doch eine Lösung, wenngleich eine armselige. Aber das hat der Bedeutung dieser Geburt im Stall von Bethlehem keinen Abbruch getan. Sie hat die Welt verändert.

Auf der Suche sind auch wir an Weihnachten 2020, auf der Suche nach einem Ort, an dem wir feiern können. Doch vielleicht kommt es darauf gar nicht wirklich an. Denn an Weihnachten geht es ja nicht um bestimmte Orte, nicht um Schmuck, Familienrituale, Festessen oder Geschenke. Es geht an Weihnachten um uns Menschen, die von Gott geliebt sind, denen er sich zuwendet, zu denen er selbst kommt in seinem Sohn Jesus Christus. Und das hat eine weit größere Bedeutung als ein bestimmter Ort zum Feiern oder vertraute Abläufe. Weihnachten verändert uns ganz radikal, denn Gott ist bei uns, mit uns und für uns.

Vielleicht bringt uns das Virus ja dazu, noch einmal neu über Weihnachten und seinen tiefen Sinn nachzudenken. Und dann können wir es guten Mutes einmal anders feiern als sonst. Das hat im Stall von Bethlehem ja auch geklappt.     

Michael Ebersohn

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