Muss Weihnachten gerettet werden?
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Lieber Leserinnen, liebe Leser,

ich schreibe diese Zeilen am 6. November, kurz vor Redaktionschluss unseres Gemeindebriefes. Vermutlich werden sich die Corona-Maßnahmen und Beschränkungen, bis Sie diesen Text Anfang Dezember lesen können, wieder mehrfach verändert haben. Die Dynamik der Pandemieentwicklung stellt uns alle immer wieder vor neue Herausforderungen. Auch bei unserer Weihnachtsplanung und den dafür zu erstellenden Hygienekonzepten mussten wir dies schmerzhaft erfahren. Was heute gilt, ist morgen schon Schnee von gestern.

Ein Ereignis der letzten Tage hat mich bei aller Informationsflut doch so beschäftigt, dass ich es als Aufhänger für meinen Artikel hier einfach nehmen musste.

Es geht um die Pressekonferenz, bei der die Vertreter von Bund und Ländern die Maßnahmen des »Lockdowns light« für den November vorstellten und begründeten. Da fiel der folgende Satz: »Wir müssen Weihnachten retten.« Erst habe ich meinen Ohren gar nicht trauen wollen: Haben die das gerade wirklich gesagt?

Ganz ähnlich hatte es RTL übrigens  Anfang der 2000er-Jahre schon einmal formuliert, um für sein Weihnachtsprogramm zu werben: »Weihnachten wird, wenn ich fernsehe« – möglichst natürlich das besagte Programm.

»Weihnachten – Christus, der Retter ist heute geboren!« Das ist offensichtlich heute nicht mehr die Botschaft von Weihnachten. Als Christ und Theologe muss ich widersprechen und sagen: Nicht Weihnachten will gerettet sein, sondern Weihnachten selbst will Rettung bringen.

Nicht Menschen müssen es machen, dass es Weihnachten wird. Es ist Weihnachten geworden – damals im Stall von Bethlehem. Es will uns retten vor mancherlei Ängsten, denn eine zentrale Botschaft von Weihnachten lautet: »Fürchte Dich nicht!« Die Hirten auf dem Feld, damals übrigens weder besonders angesehen noch »systemrelevant«, haben es durch die Engel als erste erfahren.

Weihnachten ist von Beginn an das Fest des Mangels und des Unperfekten. Das wird es auch geben, wenn es Beschränkungen gibt, ja vielleicht sogar ernsthafter als sonst ...

Was feiern wir denn da? Gott kommt in die Welt, aber nicht satt und zufrieden im Kreise einer bürgerlichen Familie mit Gänsebraten, sondern klein und verletzlich in eine rottige Hütte mit ganz wenigen ...

Weihnachten wird dieses Jahr anders. Sicher. Aber die Botschaft bleibt diesselbe und aktueller denn je:

»Fürchte Dich nicht!«

Es wird Weihnachten, weil Gott es so will. »Christus der Retter ist geboren!«

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Fest.

Bleiben Sie gesund und behütet!
Ihr
 
Pfarrer Stefan Axmann

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