»Fürchtet euch nicht«
Predigt zum Christfest 24.12.2020
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Bild: pixabay.com

Die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium – jedes Jahr hört man die vertrauten Worte neu und anders. Je nachdem, was einen bewegt und was man empfindet. Dieses Jahr bleibe ich an einem Vers besonders hängen: »Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.«

»Fürchtet euch nicht!« In diesem Jahr habe ich mich oft gefürchtet. Und viele von Ihnen sicher auch. Ja, die Pandemie hat uns das Fürchten gelehrt. Wir haben uns um unsere Gesundheit Sorgen gemacht. Und um die Gesundheit von Menschen, die uns lieb sind. Um unsere Kinder, auch wenn sie schon längst erwachsen sind. Und um die eigenen Eltern oder Großeltern, die wir nicht besuchen konnten. Kinder und Jugendliche mussten aus Kindergärten und Schulen zu Hause bleiben. Das war für viele sehr schwierig.

Nicht wenige Menschen in unserem Land fürchten um ihren Arbeitsplatz. Unser ganzes Zusammenleben, auch das gottesdienstliche Zusammensein stand in Gefahr, dass sich dort das Virus verbreiten könnte. Das, was hätte stärken können, musste um der Gesundheit willen gemieden werden. Und auch heute, am Heiligen Abend, sind wir aus Sorge um unsere eigene Gesundheit, aber vor allem aus Sorge und Verantwortung für die anderen nicht zusammen, um Weihnachten zu feiern.

Viele Menschen zeigten sich in diesem Jahr solidarisch und kümmerten sich um ihre Mitmenschen. Aber unter dem Druck der Situation trat manches zutage, was nur schwer auszuhalten war. Manche reagierten mit unverhohlenem Egoismus. Gesellschaftliche Gruppen driften auseinander. Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen für schwierige Fragen und nach einem baldigen Ende der Pandemie war groß. Auch in mir.

»Fürchtet euch nicht«, das sagt der Engel zu den Hirten. Da war viel Furcht in diesem Jahr. Viele sehnten sich nach einer starken Stimme, die sagt: »Habt keine Angst. Fürchtet euch nicht.« Doch nicht jeder kann das mit Vollmacht sagen. Wie leicht können wir getäuscht werden, wenn dieses Versprechen, nach dem wir uns sehnen, nicht erfüllt wird.

In der Weihnachtsgeschichte spricht eine Stimme vom Himmel diese Worte. Gerichtet sind sie an die Hirten. Menschen mitten in ihrem Alltag. Menschen, die sich vielleicht fragen, ob sie in der Nacht gut werden schlafen können. Ob wilde Tiere ihre Herde bedrohen. Ob sie auch in der nächsten Zeit noch diese Arbeit werden verrichten können, um ihre Familie ernähren zu können.

Gott spricht durch einen Engel zu den Hirten: »Fürchtet euch nicht.« Der Satz klingt noch lange nach, bewegt und rührt an. Aber es geht noch weiter: »Siehe, ich verkündige euch große Freude.«

Ja, große Freude – das wäre was. Nicht nur zufrieden sein müssen mit den kleinen Freuden, die es in diesem Jahr ja auch gab. Aber: Zufrieden sein müssen ist nicht Freude, große Freude. Keine Furcht, sondern Freude – so die Verheißung von Weihnachten, denn ...

Und an diesem Denn hängt alles. Die Ankündigung der großen Freude ist begründet: »Denn euch ist heute der Heiland geboren.« Er kann heilen, kann und wird heilen, was verwundet und krank ist, was nach Heilung seufzt. Jesus Christus wird schon bei seiner Geburt Heiland genannt.

Und so war er in seinem Leben: Er war den Menschen nah, die sich nach Heilung sehnten. Nach Heilung an Leib und Seele. Und so ist er auch heute: Uns nahe in unseren Schmerzen und Verwundungen, in unserer Sehnsucht nach Heilung.

Covid 19 nennt man eine Pandemie, weil sie den ganzen Erdkreis betrifft. Aber auch die Botschaft der Engel betrifft den ganzen Erdkreis: große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Große Worte sind das. Und sie haben Macht. Worte können Menschen verändern.

Ich will dieses Jahr zu Weihnachten diesen einen Vers in meinem Herzen bewegen, wie es Maria tat mit den Worten der Hirten: »Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.«

Und darauf hoffen, dass Gott mich und alles Volk heilt.

Amen


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23.12.2020 - 16.00 Uhr
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