Zeichen – Wo kann ich Gottes Zeichen finden?
Gedanken zu 2. Mose 13,20-22 für Silvester 2020
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Bild: H. Mause, Hanau

mause heike 04Wir sind umgeben von Zeichen. Besonders in diesem Jahr: Abstandhalten – 1,5 m, Mund-Nasenschutz tragen, Hände desinfizieren. Auf dem Fußboden sind an der Kasse im Supermarkt Abstandsstreifen gekennzeichnet. Pfeile weisen den Weg im Zickzack in die Tankstelle und wieder heraus, denn jede unnötige Begegnung soll aufgrund der Pandemie ausgeschlossen werden.

Zeichen umgeben uns im Straßenverkehr, im Alltag. Sie sind einfach da und sie erinnern uns, achtsam zu sein. Sie zeigen uns den Weg und geben uns Sicherheit im Zusammenleben.

Zeichen suchen wir aber auch für unser Leben. Wir sehnen uns nach Hinweisen, die uns vielleicht Richtungen anzeigen, wie es sinnvoll weitergehen kann. Wer sucht manchmal nicht auch nach Beweisen für das, was er nicht sehen kann? Kein Wunder, denn gerade das, was wirklich wichtig ist im Leben, können wir oft genug nicht sehen, nicht anfassen, nicht kaufen oder eintüten. Was wirklich zählt, wie Liebe, Verständnis, Freundschaft, das lässt sich nicht einpacken und sichtbar ins Regal stellen.

Zu biblischen Zeiten hatte das Volk Gottes es offensichtlich leichter. Auch sie haben sich oft verlassen gefühlt und gedacht: »Jetzt ist er weg, jetzt hat er uns endgültig in die Wüste geschickt.« Und die Angelegenheit mit der »Wüste« war nicht nur im übertragenen Sinn gemeint, sondern war tatsächlich ganz real. Nach der Flucht aus Ägypten zogen die Israeliten durch die Wüste. Die Orientierung in der Wüste zu haben, ist eine fast unmögliche Aufgabe. Aber was dann geschah, davon erzählt der Predigttext für den heutigen Altjahresabend.

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei der Nacht.
(2. Mose 13,20-22 nach der Lutherübersetzung)

Großartig. Gott hat sich gezeigt, als er dringend gebraucht worden war. Gott ist bei den Menschen geblieben. Nicht nur das, er ist vor den Menschen vorangezogen und hat ihnen den Weg gezeigt.

Am Altjahresabend stellt sich die Frage: Habe ich im vergangenen Jahr Gottes Zeichen für seine Gegenwart wahrnehmen oder entdecken können? In der Wüste waren die meisten Menschen wahrscheinlich nicht. Aber vielleicht fühlen Sie sich so: in die Wüste geschickt worden zu sein, Einsamkeit zu spüren. Im eigenen Leben kann in solchen Lebenssituationen eine echte Orientierungslosigkeit aufkommen. Enttäuschungen, Misserfolge, zerbrochene Beziehungen. Manch einer sorgt sich um die Gesundheit und fragt sich: Wie werde ich im nächsten Jahr alles bestehen können?

Unsere Arbeitsplätze und die instabile Lage vieler Wirtschaftsbereiche lassen gleichsam die Frage nach Orientierung aufkommen.  

Es bleibt die Frage, wie diese alte biblische Geschichte am Altjahresabend in unsere Zeit sprechen kann und wie und wo die Zeichen Gottes zu entdecken sind.

Ich stelle mir vor, wie ich mich einfach umdrehe und nach vorn sehe. Schließlich ist Gott ja in der Wüste vorausgegangen. Wenn Gott vor mir hergeht, in Zeichen, die sich oft erst im Nachhinein füllen, dann bedeutet das: Gott ist schon da, wenn ich in das neue Jahr hineingehe.

Einfach ist das Leben nicht. Das hat Gott uns auch nicht versprochen. Wer eine Wüste durchquert, und das wird uns wohl auch zukünftig nicht erspart bleiben, braucht eine »Wolken- oder Feuersäule«, ja ich würde einfacher sagen einen »Stern« vor Augen. Können solche Sterne nicht auch liebe Menschen, Mut machende Erfahrungen sein? Und warum sollte es sie nicht auch in diesen Zeiten geben?

Gebe uns ein Zeichen, Gott? Das ist ein verständlicher Wunsch. Das Entscheidende ist aber, dass »Zeichen« unser Vertrauen und den Glauben nicht ersetzen können. So entstehen Liebe und Mut vor allem aus dem eigenen Vertrauen, das wir ins Leben setzen. Sie kommen für mich letztlich aus dem Glauben an Gott. Die Zeichen sind Hilfen zu alledem.

Wenn über dem Stall an Weihnachten der Stern zu sehen ist, ist dies ein fernes Wegzeichen für Hirten und Könige, ja für alle Menschen: Gott will durch die Geburt Christi uns Menschen ganz nahe sein. Ihm können wir abgeben, was belastet, was Sorgen macht und quält. Mit ihm können wir voller Hoffnung in das neue Jahr gehen.

Gott ist bei uns alle Tage!

In diesem Vertrauen wünsche ich Ihnen und Euch ein gesegnetes neues Jahr 2021.

Pfarrerin Heike Mause


Hier gibt es den Text auch zum Download.

30.12.2020 - 10.12 Uhr
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