Die Erzählung Rut – mit Gottvertrauen wird sich Neues eröffnen
Gedanken zum 24. Januar 2021
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Bild: H. Mause Hanau

mause heike 04Die Geschichte von Rut ist eine lesenswerte und bekannte Erzählung im Alten Testament. Ein Textteil ist sicher vielen Menschen sehr vertraut. Es ist ein anrührendes Wort, das bisweilen auch bei kirchlichen Trauungen gewählt wird. »Wo du hingehst, da will auch ich hingehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich nicht scheiden.« (Rut 1,16)

Was beinhaltet die Geschichte in den ersten Kapiteln des Buches Rut im Alten Testament eigentlich? Elimelech wanderte aus Bethlehem in Juda mit seiner Familie nach Moab aus. Denn es hatte eine Hungersnot in Juda, in der Heimat von Elimelech gegeben. Ein wenig später verstarb Elimelech in der Fremde, ebenso starben auch seine inzwischen mit Moabiterinnen verheirateten Söhne. Dieses glich fast einem existenziellen Untergang. Denn in einer patriarchalischen Gesellschaft ohne Männer da zu stehen, war damals undenkbar. Als man hörte, dass die Hungersnot in Bethlehem aufgehört hatte und es wieder in Juda zu Essen geben sollte, packte Naomi als Witwe von Elimelech ihre Sachen und ging zurück in ihre Heimat. Hier gab es aber für eine Witwe, in den damaligen Zeiten keine wirkliche Perspektive. Armut, so wusste Naomi, würde sie sicher auch hier erwarten. – Die eine Schwiegertochter von Naomi kehrte zurück in ihr Elternhaus und blieb in Moab, um dann wieder zu heiraten und Sicherheit zu haben. Die zweite Schwiegertochter bekannte sich zu Naomi und damit auch zur Unsicherheit, was ihre eigene Zukunft betraf. So sagte Rut zu ihrer Schwiegermutter: »Wo du hingehst, da will auch ich hingehen.« Naomi hält eine Rede und versuchte Rut mit aller Macht umzustimmen. Denn auch für Rut würde es keine gute Perspektive geben, sie war eine Angeheiratete einer Kleinst-Sippe, deren Familie wohl unter keinem guten »Stern« stand. Alle Männer in der Familie waren verstorben. So konnten wohl viele die Frage stellen: »Ist diese Familie womöglich verflucht?« In aller Selbstlosigkeit, Gutmütigkeit, Treue und gutem Glauben, wollte Rut an der Seite ihrer Schwiegermutter stehen. Sie wollte den ihrigen Glauben leben und zu ihrem Volk gehören. Rut wollte folgen und ihre Schwiegermutter von Herzen unterstützen. Mit dieser Einstellung der Selbstlosigkeit, so war Naomi zunächst überzeugt, würden sie sicher beide untergehen.

Der Wochenspruch steht für diese Woche in Lukas 13,29: »Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.« In diesem Wort scheint es, um etwas Großartiges und Gewaltiges zu gehen. Denn viele werden kommen und an Gott glauben, sie werden Frieden leben. – Doch nun diese Geschichte von Rut an diesem Sonntag. Sie hat so gar nichts Großartiges an sich. Es ist als ob Rut uns einen anderen Blick auf das Reich Gottes eröffnet. Denn sie glaubt an einen Gott, der ihr trotz aller Widrigkeit Zukunft schenken wird. Sie hat in den Psalmen gehört, dass Gott erlöst, befreit und dass Gott Verwundete verbindet und die Gebeugten aufrichtet.

Diese Geschichte ist eine Aufbruchsgeschichte in eine völlig der Vernunft abwegige Zukunft hinein. Sie führt mich zurück zu dem, worauf es im Leben ankommt und was mir Gott in Jesus Christus vor Augen stellt. Menschen, die aus allen Richtungen zusammen kommen, aus Osten, Westen, Norden und Süden und das Reich Gottes leben, sind Menschen, die neu anfangen. Im Reich Gottes hat Schwäche und Zweifel, auch Angst vor der Zukunft einen Platz. Es sind gerade die Menschen, die äußere und innere Heimat und Frieden suchen, die Gott stärken will.

Die Geschichte im Buch Rut findet ein gutes Ende. Rut liest nach damaligen Witwen und Fremdenrecht Ähren auf den Feldern. Denn Elimelech hatte sein Erbe vor der Ausreise verkauft. Boas findet Gefallen an Rut und löst schließlich nach dem Gesetz das Erbe wieder ein und heiratet Rut. Rut wird als die Urgroßmutter Davids bezeichnet und wird namentlich im Stammbaum Jesu im Matthäusevangelium (Matthäus 1,5) genannt.

Die Geschichte von Rut ist eine Erzählung, die von der Schwäche, den Brüchen im Leben berichtet. Gottes Zusage, seine Kraft ist in den Unsicherheiten des Lebens zu finden: mit viel Gottvertrauen und Mut, wird sich Neues eröffnen können.

Rut und Naomi gehen gemeinsam, sie gehen miteinander in die Zukunft. Sie waren sich darüber zunächst nicht wirklich einig, aber die Verbundenheit im Glauben an eine gute, friedvolle Zukunft stärkte sie über alle Grenzen hinweg.

Ich wünsche Ihnen für die eigenen und gemeinsamen Wege am heutigen Tag, morgen und in Zukunft Gottes reichen Segen.

Gott stärke und beschütze Sie.

Pfarrerin Heike Mause

10.01.2021 - 16.13 Uhr
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