Mein Gott, warum hast du mich verlassen
Im Gedenken an den 19. März 1945 in Hanau
ajk-1945
Bild: G. Jacob, Hanau

Seit Sommer 1940 waren Hanau und die umliegenden Orte bereits Ziel vereinzelter Luftangriffe der Alliierten geworden. Einzelne Straßenzüge und vermehrt die Altstadt waren davon betroffen. Doch das Ende der Stadt brachte der 19. März 1945, ein Montag. In zirka 20 Minuten, zwischen 4.20 und 4.40 Uhr früh, wurde alles vernichtet. In dieser Nacht blieb der Luftalarm aus. Von den 450 Häusern in der Altstadt blieben lediglich sieben erhalten. 1200 Tonnen Bomben wurden über Hanau abgeworfen. Das Goldschmiedehaus war in kurzer Zeit nur noch ein Trümmerhaufen, aus dem nur die beiden Giebel, die steinere Rückseite bis zum zweiten Obergeschoss mit Teilen des Treppenhauses und die steinerne Vorderseite mit der Treppe herausragten.

In dieser Nacht fing auch die Marienkirche Feuer. Auch zahlreiche andere öffentliche Gebäude und unzählige Wohnhäuser Hanaus  wurden in Minutenschnelle in Brand gesetzt. Ein unheimlicher Feuersturm griff um sich. Lichterloh brannte bald alles. Ein Mann erzählt: »Ich kam an das Frankfurter Tor. Dort ging es nicht mehr weiter. Mit meinem Freund schlugen wir uns zum Freiheitsplatz irgendwie durch. Dort sah ich einen Mann im Schlafanzug auf dem Pflaster der Straße stehen: Er schrie: ›Warum hilft denn hier keiner? Jetzt sind wir von Allem verlassen!‹ Jeder war in dieser Nacht verlassen, verlor Familienangehörige und konnte nur versuchen, sich selbst zu retten. Selbst die Keller und Schutzräume boten keine Sicherheit, auch sie brachen ein.«

In jedem Jahr lädt die Stadt Hanau zum Gedenken ein. Wie in jedem Jahr wird sich die Kirchengemeinde an dem Gedenken beteiligen, damit solch eine schreckliche Nacht nicht in Vergessenheit gerät und wir gemeinsam in der Stadt für zukünftigen Frieden einstehen. In der Nacht läutet ab 4.20 Uhr zum Gedenken die Totenglocke an der Marienkirche.

Um 19.00 Uhr findet am Freitag, dem 19. März 2021 die »Motette in Marien« zum Gedenken an die Zerstörung in der Marienkirche mit Prof Martin Lücker statt (Genaueres hier).   

Heike Mause

08.02.2021 - 14.00 Uhr
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