Erntedank heute
Neuer Zugang zu einem alten Fest
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Bild: M. Ebersohn Hanau

Dass man für die Früchte, die man erntet, dankbar ist, das haben Menschen eigentlich schon immer gefeiert. In fast allen Kulturen heute und seit Jahrtausenden gibt es ein Erntedankfest. Gefeiert wird es natürlich ganz unterschiedlich.

In unseren Zeiten ist jedoch der ursprüngliche Sinn des Erntedanks etwas abhandengekommen. Selbst auf dem Land, wo man noch eher den Eindruck hat, dass Mähdrescher und abgeerntete Felder etwas mit unserem Leben zu tun haben, ist es nicht mehr die direkte Dankbarkeit dafür, dass man genug zu essen hat. Das gibt es ja auch auf unseren Dörfern zu fast jeder Jahreszeit in fast jeder Form zu kaufen. Missernten spielen heute keine Rolle mehr. Jedenfalls nicht in unseren industrialisierten Ländern.

In den Kirchen ist das Erntedankfest daher oft zu einer Art Schöpfungsfest geworden. Es geht dabei nicht um die konkrete Ernte des aktuellen Jahres, sondern darum, dass wir Gott für die Schöpfung danken, mit der er uns überhaupt unsere gesamte Lebensgrundlage geschenkt hat.

Da liegt natürlich ein ökologischer Aspekt nahe: Damit die Schöpfung auch weiterhin funktioniert und uns ernährt, muss sie geschützt werden. Das ist ein großes Thema, weltweit, aber auch im Kleinen. Denn wenn ich Ernst mache mit dem Schutz der Schöpfung, der Anbaugebiete, des Klimas, dann muss ich auch meine persönlichen Gepflogenheiten ändern. Und das fällt oft schwer. Aber dieser Schutz ist lebenswichtig, denn fruchtbare Böden sind die wichtigste Ressource, um menschliches Leben auch in Zukunft überhaupt möglich zu machen. Das haben Wissenschaftler immer wieder herausgestellt.

Damit hat das Erntedankfest in der Tat einen globalen Sinn. Die Ernte auf unseren Feldern wird so oder so ausreichen. Aber ob wir als Menschheit überleben können, das ist davon abhängig, dass wir unsere Felder bewahren.

Offenbar haben auch viele Stadtmenschen das Thema Anbau und Ernte wiederentdeckt und kleine Nutzgärten angelegt – wie im Bild oben in Offenbach. Die eigenen Früchte zu ernten, das Wunder von Wachsen und Gedeihen zu entdecken, bringt einen nicht nur der Bewahrung der Schöpfung näher. Es wirft auch einen neuen Blick auf den Dank für die Ernte, das Erntedankfest.

Michael Ebersohn

19.08.2021 - 18.18 Uhr
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