Ostereier und die neue Zeit
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Bilder: pixabay.com

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

ebersohn michaelgrellbunte Ostereier, auf die Schnelle in Farbe getaucht, Hauptsache bunt. Das könnte man meinen, wenn man das Titelbild sieht. Das passt ja auch zu der modernen Zeit, die schnell, grell und hektisch daherkommt.

Früher hat man sich Zeit gelassen beim Eierfärben. Da gab es fein ziselierte Muster und Zwiebel- oder Rote-Bete-Sud zum Färben. Aber man hatte ja auch mehr Zeit. Zumindest kommt es uns heute so vor. Dass aber vor Jahrzehnten der Alltag viel zeitraubender war ohne Mikrowelle, Waschmaschine und Internet, das vergessen wir meistens. Trotzdem war das Leben irgendwie ruhiger.

Wir können die frühere Zeit aber nicht zurückholen. Wir müssen mit der Zeit gehen, müssen uns auf die aktuellen Gewohnheiten einstellen und sie nach Möglichkeit so nutzen, dass sie uns guttun und fördern. Und das
gilt gerade auch in der Kirche.

So schön klassische sorbische Ostereier wie im Bild unten auch sind, sie sind eben nur eine Möglichkeit, Eier zu verschönern. Und ebenso sind natürlich unsere klassischen Gottesdienste schön und vielen Menschen vertraut, weil sie auch früher schon so waren. Doch auch sie sind nur eine Möglichkeit, unseren Glauben gemeinsam zu feiern: Für viele ist aber genau das nicht mehr zeitgemäß und deshalb uninteressant.

Die Kirche hat freilich schon immer die Möglichkeiten genutzt, die sich boten, um ihre Verkündigung unter die Leute zu bringen. Jesus ist auf einen Berg gestiegen, damit er besser zu hören ist, Paulus hat auf dem Marktplatz der Weltstadt Athen gepredigt, und Martin Luther hat das damals ganz neue Medium des Buchdrucks genutzt, um seine Ideen zu verbreiten.

Wir stehen also in einer guten Tradition, wenn wir die neuen Medien nutzen, die sich heutzutage bieten. Deren Problem ist eher, dass es so viele verschiedene sind. Doch das liegt an der modernen Welt, die längst nicht mehr so einheitlich ist wie noch vor Jahrzehnten. Wenn damals die Kirche einlud, dann kamen die Leute, weil man das so machte und weil es oft nicht viel anderes gab. Heute sind die Angebote weit vielfältiger geworden, und deshalb müssen auch die Wege zu den Menschen, weit vielfältiger sein.

Die Corona-Pandemie war uns dabei durchaus hilfreich. Wir waren geradezu gezwungen, neue Wege zu finden in unseren Sitzungen, im Konfirmandenunterricht und auch bei den Gottesdiensten. Die haben wir oft digital gefeiert, weil es nicht anders ging. Wir haben das nicht unbedingt als Verlust, sondern als Bereicherung erfahren. Ein Segen, dass es diese modernen Möglichkeiten gibt!

Auch diese Entwicklung können wir nicht zurückdrehen. Und wir wollen das auch gar nicht. Denn es ist ein Schritt in die neue Zeit. Und die wird geprägt sein von Vielfalt und neuen Ideen. Altes und Liebgewonnenes wird dabei nicht einfach abgeschafft, aber doch hin und wieder reduziert, um Platz, Kraft und Zeit zu haben für Neues.

Denn beides gehört zusammen und lässt sich nicht gegeneinander ausspielen. Altes und Neues ergänzen und befruchten sich. Vielleicht haben ja auch Sie zu Hause ganz verschiedene Ostereier, filigrane und grellbunte.

Mit den besten Wünschen für die Passions- und die Osterzeit
Ihr

Pfarrer Michael Ebersohn

18.02.2022 - 16.49 Uhr
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