Zusammenleben
Unser neuer Pfarrer stellt sich vor
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Bilder: www.flickr.com; privat

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Werner Kahlzum 1. Juli trete ich meinen Dienst als Pfarrer in Ihrer Gemeinde – der Stadtkirchengemeinde Hanau – an. Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, mich Ihnen im Gemeindebrief schon einmal etwas vorzustellen. Dabei kann es an dieser Stelle natürlich nur um einige Grunddaten gehen, sozusagen zur ersten Orientierung: Ich bin 60 Jahre alt und komme zu Ihnen aus dem hohen Norden, aus Hamburg.

Hier habe ich mit meiner Familie seit 2006 gelebt und in der akademischen Bildungsarbeit gewirkt. Dabei haben zwei besondere Schwerpunkte eine Rolle gespielt: Ich habe mich zum einen daran gemacht zu erkunden, wie wir als alteingesessene evangelische Christen zusammen Kirche sein können mit Christen, die aus asiatischen oder afrikanischen Ländern zu uns gezogen sind. In diesem Zusammenhang ist in Hamburg der Internationale Gospelgottesdienst entstanden. Zum anderen lag und liegt mir sehr daran, das Zusammenwirken mit Menschen islamischen Glaubens in unserer Nachbarschaft zu fördern.

Zu beidem bin ich angeregt worden durch einen mehrjährigen Aufenthalt in Ghana in Westafrika, das über die Jahre zu meiner zweiten Heimat geworden ist. Ich erinnere mich lebhaft an eine Begegnung mit Imamen dort vor 20 Jahren, bei der einer von ihnen auf den Punkt bringen wollte, worum es in seiner Religion im Grunde geht: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten. Das kam mir ziemlich bekannt vor, denn so heißt es ja auch in der Tora und im Evangelium.

Während ich diese Zeilen schreibe, tobt der schreckliche Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Aus den Nachrichten erfahre ich, dass mittlerweile über eine halbe Million Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Die Hilfs- und Aufnahmebereitschaft in unserer Bevölkerung ist groß. Das macht Mut und ist ganz im Sinne der Weisung Jesu, »Fremde« (in Not) aufzunehmen, denn mit ihnen identifiziert sich Jesus (Mt 25,35). Diese Aufnahme bedeutet dabei im eigentlichen Sinn so viel wie »jemanden in eine Gemeinschaft hineinnehmen«. Kirchengemeinde als offene und hilfsbereite Gemeinschaft derer, die das Evangelium ins Leben ziehen – diese Vorstellung gefällt mir.

Ich kann nun wirklich nicht umhin, mich bei Ihnen mit einem Lied vorzustellen, denn seit langer Zeit bin ich als Musiker, Komponist und Liedtexter unterwegs. Interkulturelles Musizieren ist ein wichtiger Teil von mir geworden.

Zusammenleben

Wir könn’ im Frieden /
zusammenleben,
wo wir auch herkomm’ /
wer wir auch sind.
Wir können super /
mit’nander leben,
wo wir auch herkomm’ /
du und ich.

Du kommst aus Ghana /
und ich aus Deutschland,
du aus Ägypten /
wir leben hier.

Und deine Eltern /
kamen von weit her.
Hier ist jetzt Heimat /
für dich und mich.

Du glaubst als Muslim /
und du als Jüdin,
und ich als Christ auch /
an denselben Gott.

Du wirst zum Bruder /
und du zur Schwester,
und als dein Bruder /
bin ich für dich da.

Vielleicht ergeben sich in den nächsten Monaten Gelegenheiten, miteinander zu singen oder sonst wie zu musizieren. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Begegnungen mit Ihnen!

Genießen Sie die Ferien- und Urlaubszeit und bis bald in Hanau!
Ihr

Pfarrer Dr. Werner Kahl

Bild oben: Wochenmarkt im Norden Ghanas

27.05.2022 - 11.58 Uhr
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